Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

gungspläne  zu  werben.  Dagegen  beharrten  die  Vertreter  der  pfälzischen
Gaswerke  auf  dem  Status  quo  oder  verfolgten  eigene  Expansionspläne.
Zwar  legte  die  LuK  schon  nach  wenigen  Wochen  ein  Versorgungsprojekt
  für  die  Vorderpfalz  vor,  das  den  Bau  einer  Hochdruck-Ringgasleitung
  vom  Gaswerk  Ludwigshafen  über  Speyer,  Germersheim,
Landau,  Neustadt,  Bad  Dürkheim,  Grünstadt  und  Frankenthal  sowie
zusätzliche  Zweigleitungen  vorsah  und  damit  den  Vorstellungen  des
Ludwigshafener  Gaswerks  sehr  nahe  kam.203  Doch  hätte  ein  solches
Modell  die  Stilllegung  mehrerer  lokaler  Gaswerke  zur  Folge  gehabt,  und
daran  hatten  diese  keinerlei  Interesse.  Und  obwohl  der  Vorschlag  der
LuK  in  weiten  Zügen  mit  den  Vorstellungen  z.B.  des  Ludwigshafener
Gaswerks  übereinstimmte,  und  die  technische  Prüfung  durch  einen  eigens
  gegründeten  Organisationsausschuss  keinerlei  Anlass  zu  irgendwelchen
  Einwendungen  gab,  sollte  Kurt  Liese  das  Projekt  der  LuK  einer
  zusätzlichen  wirtschaftlichen  Prüfung  unterziehen.  Dies  brachte
weitere  Verzögerungen  der  Pläne  der  LuK  mit  sich.204
Die  Wahl  von  Liese  als  Berichterstatter  hatte  zweischneidigen  Charakter.
  Zwar  besaß  der  Aufbau  einer  Gruppengasversorgung  ohne  das
größte  pfälzische  Gaswerk  in  Ludwigshafen  kaum  Realisierungschancen,
  doch  vermischten  sich  die  betriebswirtschaftlichen  und  politischen
Interessen  der  Stadt  1  .udwigshafen  mit  den  allgemeinen  energiewirtschaftlichen
  Bedürfnissen  der  Pfalz,  ln  technischer  Hinsicht  stände  einer
  Gruppengasversorgung  der  Vorderpfalz  nach  dem  Modell  der  LuK
keine  Hindernisse  entgegen.  Doch  in  finanzieller  Hinsicht  enthielt  sich
das  Gutachten  einer  Wertung:  "Die  Wirtschaftlichkeit  des  Gesamtprojektes
festjiistellen,  schien  nicht  veranlasst,  da  seine  völlige  Durchführung  in  absehbarer
Zeit  nicht  wohl  in  Aussicht  steht,  vielleicht  kaum  jemals  ju  erwarten  ist".205  Nur
für  das  Teilprojekt,  die  Versorgung  der  16  Gemeinden  in  der  Umgebung
  von  Neustadt  mit  insgesamt  34.000  Einwohnern,  sahen  alle  Beteiligten
  konkrete  Realisierungschancen.
Die  aufkommende  Ferngasdiskussion  in  den  Jahren  1927/28  drängte
dann  jegliche  Umsetzung  der  Gruppengasplanungen  zurück.  Ein  weiteres
  Gutachten  vom  November  1927,  diesmal  vom  Leiter  der  Städtischen
  Werke  in  München,  Ludwig,  brachte  ebenfalls  keine  neuen  Aufschlüsse.
  Realisierungsfähig  seien  zum  jetzigen  Zeitpunkt  nur  die
Gruppengasversorgung  der  Vorderpfalz  und  die  Versorgung  der  Westpfalz
  mit  Kokereigas  von  der  Saar.  Darüber  hinaus  sprach  sich  Ludwig
203  GWF,  69.  Jg.  (1929),  Heft  4,  S.  121  f.:  Ferngasversorgung  der  Pfalz;  Landauer  Anzeiger
  vom  13.10.1925:  Die  Gasfernversorgung  der  pfälzischen  Landgemeinden
204  LA  Speyer  H  3/7706  I:  Arbeitsausschuß  vom  14.10.1926
203  LA  Speyer  H  3/7706  I:  Strobel  zur  Gasfernversorgung  vom  15.2,1927;  Schleyer
(1934),  S.  33  ff.

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