Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

2.  Vor  der  Gruppengasversorgung?
Wie  in  anderen  Regionen  verfügten  auch  in  der  Pfalz  die  meisten  Städte
sowie  einzelne  Gemeinden  über  eine  Gasversorgung.  Im  Gegensatz  zur
Saarregion  scheiterte  aber  der  Aufbau  einer  -  zumindest  was  das  engere
Industriegebiet  angeht  -  flächendeckenden  Gasversorgung.  Zum  einen
bot  die  Pfalz  mit  ihrer  nur  geringen  Bevölkerungsdichte  und  der  damit
zusammenhängenden  geringen  Anschlussdichte  für  Gasversorgungsunternehmen
  alles  andere  als  ein  lukratives  Betätigungsfeld.  Gashandelsgesellschaften
  wie  etwa  die  GBG  besaßen  dort  demzufolge  kein
Interesse  an  einem  Engagement.  Zum  anderen  stand  in  der  Pfalz  im
Gegensatz  zu  der  Saarregion  keine  Abfallenergie  in  Form  von  Kokereigas
  zur  Verfügung.  Lediglich  in  Oppau,  einer  Nachbargemeinde  von
Ludwigshafen,  beabsichtigte  die  BASF  noch  während  des  Ersten  Weltkriegs,
  Kokereigas  an  umliegende  Ortschaften  abzugeben.  Obwohl  die
Gemeinde  Oppau  auf  diesen  Vorschlag  einging,  um  die  Kosten  für  den
Ausbau  des  inzwischen  erweiterungsbedürftigen  kommunalen  Gaswerks
  zu  umgehen,  kam  es  nicht  zur  Aufnahme  der  Kokereigaslieferungen.196
  Im  September  1918  musste  die  BASF  der  Gemeindeverwaltung
  mitteilen,  sie  könne  ihren  Verpflichtungen  nicht  nachkommen,
weil  der  Reichskommissar  für  Kohlenverteilung  die  Lieferung  von
Kohlen  gesperrt  habe.  Nachdem  auch  im  darauf  folgenden  Jahr  die
Kohlenzufuhr  an  die  BASF  stockte,  beschloss  der  Gemeinderat  1919
die  Erweiterung  des  kommunalen  Gaswerks.197
Im  Zuge  der  Versorgungsengpässe  mit  Steinkohle  ruhten  auch  jegliche
weitere  Pläne  zum  Ausbau  der  Gasversorgung.  Erst  1924  versuchte  die
Aktiengesellschaft  für  Licht  und  Kraft  (LuK)198  im  Neustadter  Gebiet
eine  Gruppengasversorgung  aufzubauen.  1918  hatte  die  Firma  das
kleine  Gaswerk  der  Gemeinde  Mussbach-Gimmeldingen,  einem  Vorort  von
Neustadt,  erworben  und  sich  auf  diese  Weise  Eingang  in  die  pfälzische
Gaswirtschaft  verschafft.  Sie  plante,  ähnlich  wie  die  GBG  in  der  Saarregion,
  von  bereits  bestehenden  oder  neu  zu  errichtenden  Gaswerken
aus,  Gruppengasversorgungen  aufzubauen.  Der  Raum  Neustadt  schien
^9l)  StA  Ludw.  Opp.  1010:  Angebot  der  BASF  an  Oppau  vom  29.3.1917;  Gutachten
Raab  vom  12.4.1919;  Rothenberger  (1995),  S.  41
197  StA  Ludw.  Opp.  1011
1  Qß  1  1
170  Die  LuK  war  1913  aus  der  "AG  Gaswerk  Volkach"  hervorgegangen,  nachdem  ein
Konsortium  dort  die  Aktienmehrheit  übernommen  hatte.  Schwerpunktmäßig  konzentrierte
  sich  die  LuK  zunächst  auf  die  Überlandstromversorgung  Im  Raume  Freilassing
und  Laufen  (heutige  Überlandzentrale  Laufen).  1915  errichtete  das  Unternehmen  in
Helmbrechts  ein  Steinkohlengaswerk.  Durch  Aktientausch  mit  der  ENAG  kam  die
LuK  1928  in  den  Einflussbereich  der  Thüringer  Gasgesellschaft;  vgl.  1867-1967
ThGG  (1967),  S.  38  ff.

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