Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Exhaustor  und  einen  Teerscheider  aufzustellen,  scheuten  die  Privataktionäre
  die  hohen  Investitionskosten  und  erklärten  sich  mehrheitlich
mit  einem  Verkauf  an  die  Stadt  einverstanden.  Grünstadt  besaß  zwar  seit
1888,  nach  Ende  des  25-jährigen  Konzessionsvertrages  mit  der  privaten
"Gasgesellschaft  Mann  &  Seltsam",  die  Option,  das  Gaswerk  in  kommunale
  Regie  zu  übernehmen.  Doch  erst  die  hohen  Zuwachsraten,  die
das  Gaswerk  in  der  Phase  um  die  Jahrhundertwende  zu  verzeichnen
hatte,  gaben  1903  den  entscheidenden  Anstoß,  die  Privatversorgung
aufzugeben.193 *  Schließlich  konnte  sich  auch  in  Kusel  die  Stadt  gegen  die
private  "Aktiengesellschaft  für  Gas  und  Elektrizität"  durchsetzen.  Zehn
Jahre  vor  Ablauf  des  Konzessionsvertrages,  im  Mai  1910,  kaufte  die
Stadt  für  170.000  Mark  das  Gaswerk  auf.  Veranlasst  durch  die  Drohung
der  Stadt,  ein  Elektrizitätswerk  zu  errichten,  gab  die  Gesellschaft
schließlich  auf:  "Wenn  die  Gesellschaft  das  Gaswerk  behält,  so  wird  die  Stadt
Kusel  die  Elektrizität  mit  Ereuden  begrüßen,  um  damit  den  Gaspreis  gu  drücken,
infolgedessen  dieselbe  schlechter  daran  wäre,  auch  wenn  sie  statt  Gaswerk  die  Zinsen
von  170.000  Mark  hätte7194  Zusammen  mit  den  Kommunalgründungen
befanden  sich  vor  dem  ersten  Weltkrieg  somit  nur  noch  die  kleinen
Betriebe  in  Haßloch,  Rülzheim,  Hettenleidelheim  und  Mussbach  in
Privatbesitz.195

193  Vgl.  Müller  (1948),  S.  167;  Laux  (1960);  Heß  (1961);  Lampert  (1975),  S.  343;
Stadtwerke  Frankenthal  (1987),  S.  5  ff.;  Schumacher  (1993),  S.  192;  zusammenfassend
Rothenberger  (1994),  S.  13  ff.
^94  zitiert  aus  einem  Gutachten  nach  Zickwolf  (1989)
Rülzheim  übernahm  die  Anlage  im  Jahre  1930,  Hettenleidelheim  1921  und  Haßloch
  1920;  zu  den  Neugründungen  in  den  Landgemeinden  Rothenberger  (1994),  S.  34
ff.;  nicht  näher  berücksichtigt  sind  die  Acetylen-Gaswerke  in  vier  pfälzischen  Gemeinden,
  die  Kleinstbetriebe  waren  und  nur  vorübergehend  in  Betrieb  blieben.

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