Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG (38)

Forderungen der Nachbarstadt gescheitert waren.190 * Auch die Ge¬ 
meinde Oppau erwog um diese Zeit den Aufbau einer Gasversorgung. 
Im Oktober 1906 fragte das städtische Gaswerk in Ludwigshafen bei 
der Verwaltung, "wegen Ausarbeitung einer Ferngasleitung vom Gaswerke Fud- 
wigshafen nach benachbarten Orten an, ob die dortige Gemeinde gleichfalls Interesse 
an einem Anschluss an diese projektierte Ferngasleitung hat".1,-11 Auch vom Gas¬ 
werk Frankenthal aus wurde der Aufbau einer Gruppengasversorgung 
ins Auge gefasst. Da sich das Gaswerk Ludwigshafen vorbehielt, Gro߬ 
abnehmer wie die BASF direkt zu beliefern und der Gemeinde Oppau 
damit bedeutende Abnehmer verloren gegangen wären, gab sie bei der 
BAMAG den Bau einer eigenen Anlage in Auftrag, die 1913 eröffnet 
wurde.192 
Andere Städte übernahmen bis kurz nach der Jahrhundertwende die 
ursprünglich privaten oder gemischtwirtschaftlichen Unternehmen in 
kommunalen Besitz. In allen Fällen hatte sich die Gasversorgung als si¬ 
chere Einnahmequelle erwiesen, sodass die Verwaltungen oftmals noch 
vor Ablauf der Pacht- beziehungsweise Konzessionsverträge versuch¬ 
ten, die Anlagen in städtischen Besitz zu überführen. In Frankenthal be¬ 
saß der Konzessionsvertrag mit der "Gas-Anstalt Frankenthal" zwar 
eine Laufzeit von 90 Jahren, doch musste die Vertragsdauer in Folge 
einer Entschließung des bayerischen Innenministeriums auf 20 Jahre 
beschränkt werden. Im Jahre 1882 ging die Anlage für über 200.000 
Mark an die Stadt über. Im selben Jahr bemühte sich der Stadtrat von 
Neustadt, das private Gaswerk vorzeitig zu übernehmen. Überhöhte 
Preisforderungen der Aktionäre ließen jedoch eine Einigung nicht er¬ 
warten. Im Vorfeld neuerlicher Verhandlungen ließ der Stadtrat in zwei 
Rechtsgutachten die genaue Höhe der Zeitwerte der Gesellschaft prü¬ 
fen. Die Expertisen kamen entgegen den Erwartungen zu dem Ergeb¬ 
nis, dass die Stadt nach dem Wortlaut der Satzung verpflichtet sei, alle 
Bauausgaben in voller Höhe zurückzuerstatten. Auch sei die Gesell¬ 
schaft aufgrund der Bestimmungen nicht verpflichtet, Abschreibungen 
vorzunehmen. 1886 ging das Gaswerk für über 250.000 Mark in den 
Besitz der Stadt über. Zweibrücken brachte 1896 das Gaswerk für eine 
Summe von annähernd 500.000 Mark in städtische Obhut. Fandau ge¬ 
lang es im darauf folgenden Jahr, vorzeitig den auf 50 Jahren laufenden 
Konzessionsvertrag mit der "Landauer Gasbereitungs-Gesellschaft" 
aufzulösen. Als sich die Gesellschaft im Zuge der Erweiterung der Er¬ 
zeugungseinrichtungen vor die Entscheidung gestellt sah, auch einen 
190 StA Ludw. Ogg. 687: Brief vom 16.4.1902 
^9^ StA Ludw. Opp. 990: Anfrage vom 26.10.1906 
l9^ StA Ludw. Opp. 991: Konzessionsbeschreibung; Braun (1953), S. 544 
310
	        
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