Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

Auch die politischen Constellationen waren demselben nicht besonders günstig, da im 
Falle eines ausbrechenden Krieges die Pfalg zunächst bedroht erschien, und die 
etwaigen Kriegskosten nicht unbedeutend in die Wagschale fielen",185 Zwecks 
Finanzierung nahm die Stadt bei der örtlichen Sparkasse eine Anleihe 
von 130.000 Gld. auf, das Werk ging im November 1860 in Betrieb.186 
Ludwigshafen bezog seit 1856 Gas von der Gasanstalt der Pfälzischen 
Ludwigsbahn. Der auf 15 Jahre abgeschlossene Liefervertrag enthielt 
jedoch keinerlei Rabattklausel, sodass die Stadtverwaltung bei der 
Bahndirektion keine Preisnachlässe erwirken konnte. Zudem ging sie 
davon aus, schon nach wenigen fahren Überschüsse aus einem kom¬ 
munalen Gaswerk erwirtschaften zu können. Nach Ablauf des Liefer¬ 
vertrages gab sie deshalb den Bau einer Anlage in Auftrag. Das Werk 
ging noch 1871 in Betrieb.18 In Lambrecht, einer Nachbarstadt von 
Neustadt, erbrachten Erhebungen unter der Bevölkerung, dass sich fast 
sämtliche Einwohner zum Anschluss an die Gasversorgung bereit er¬ 
klärten. Auch meldeten alleine die vier örtlichen Tuchfabriken 200 
Lampen an, sodass eine eigens eingesetzte Kommission mit mehr als 
10.000 Gld. Einnahmen jährlich rechnete. Weil die Anlagekosten ledig¬ 
lich 50.000 Gld. betragen sollten, schien eine Amortisation innerhalb 
von zehn Jahren realistisch und das Vorhaben ohne spekulativen Cha¬ 
rakter. Eine privatwirtschaftliche Lösung kam deshalb nicht in Frage, 
die Versorgung konnte in Eigenregie der Stadt erfolgen. Das Werk ging 
Ende 1862 in Betrieb.188 Auch in Pirmasens gaben die günstigen Fi¬ 
nanzierungsmöglichkeiten den Ausschlag, das Gaswerk 1874 auf städti¬ 
sche Rechnung zu gründen. Angeblich gelang es der Stadt, über ihren 
Bürgermeister und Landtagsabgeordneten aus einem Reichsfonds ein 
Darlehen von 170.000 Mark zu erhalten.189 
Während im 19. fahrhundert die privaten Gasanstalten überwogen, ge¬ 
hörte es Anfang des 20. fahrhunderts längst zur Normalität, die Gas¬ 
versorgung in kommunaler Regie zu betreiben. Die Gastechnik hatte 
sich zwischenzeitlich weiterentwickelt, neue Anwendungsbereiche für 
Gas wie Motoren, Kochen und Heizen waren hinzugekommen, der 
Betrieb kommunaler Gaswerke somit eine risikolose Angelegenheit. 
Oggersheim errichtete 1909 ein städtisches Gaswerk, nachdem 1902 und 
1906 Pläne, die Stadt von Ludwigshafen aus zu versorgen, an den Preis- 
185 Schilüng (1868), S. 316 f. 
186 Vgl. Schilüng (1896), S. 289; Hößle (1985); Fenske (1989), S. 208 
18^ Vgl. Schilüng (1896), S. 181; Bürgermeisteramt (1903), S. 349 ff.; Liese (1927), S. 
86; Winkler (1953), S. 157 
188 Vgl. Schilüng (1868), S. 183; 1000 Jahre (1978), S.369; 125 Jahre (1987) 
D9 Ygi Schilüng (1896), S. 235; Grüny (1974), S. 46; ausführüch in 125 Jahre Stadt¬ 
werke Pirmasens (1999), S. 6 f. 
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