erstreckte sich auf 20 Jahre. Das Gaswerk Mittelbexbach stellte im Januar
1933 seinen Betrieb ein.162
Ein weiteres einschneidendes Entwicklungskriterium in den 30er Jahren
betrifft auch an der Saar das Verhältnis von Gaserzeugern und Großverbrauchern.
Gelackte die Belieferung der Industrie von Anfang an zur
Domäne der kommunalen Gasversorgung, auch wenn diese i.d.R. Sonderkonditionen
erhielten, gab es am Ziel der Ferngasunternehmen keinen
Zweifel, sowohl die eigenen Konzernwerke als auch sonstige Industriekunden
direkt, d.h. unter Umgehung der kommunalen Endverteiler
zu beliefern. Diese Strategie resultierte aus folgenden Faktoren.
Zum einen nahmen die Absatzmengen industrieller Großkunden wie
der Grundstoffindustrie, der Weiterverarbeitenden Industrie oder der
Glas- und Keramikindustrie eine Größenordnung ein, die oftmals die
Nachfrage ganzer Städte übertrafen. Ein Vertragsabschluss mit solchen
Abnehmern garantierte somit hohe Einnahmen. Zum anderen brachte
die Belieferung dieser Kundengruppe den Gaswerken betriebstechnisch
den Vorteil, dass die Betriebe i.d.R. über eine gleich bleibende Nachfragekurve
sowohl im Verlauf eines Jahres als auch während des Tages
verfügten, so dass kostspielige Nachfragespitzen entgegen den Verbrauchsgewohnheiten
der Haushaltskunden entfielen. Damit ließ sich
auch der für die Gaserzeuger sehr aufwendige Speicherraum begrenzen.
Es braucht allerdings nicht viel Phantasie, dass die Interessen der Ferngaswirtschaft,
zu Direktabschlüssen mit den Industriekunden zu kommen,
mit den Interessen der kommunalen Gaswerke kollidierten.163
Diese Interessenkollisionen lassen sich auch an der Geschäftspolitik der
FGS ablesen. Schon die erste FGS-Leitung zwischen Neunkirchen und
Homburg, die 1929/30 mit einem Kostenaufwand von über sieben
Mio. Frs. erstellt wrurde, diente zunächst allein der Belieferung des
Homburger Eisenwerks. Die Betriebsaufnahme erfolgte am 3. April
^62 Saarbrücker Ztg. vom 8.6.1932: Zur Gasfrage in Mittelbexbach; Saarbrücker Ztg.
vom 11.1.1933: Ferngasversorgung Neunkirchen-Mittelbexbach
163 Neikes (1934), S. 837 war allerdings der Auffassung, dass die kommunalen Gaswerke
nicht in der Lage waren, den Bedarf der Großindustrie zu befriedigen, denn
"bei den großen Mengen, welche die Industrie im Falle ihrer Umstellung auf Gas benötigt,
bedeutet der Anschluss einer solchen Industrie für das kommunale Werk fast
stets den Zwang zur FIrweiterung seiner Anlagen". Die kommunalen Werke verfügten
weder über das erforderliche Kapital, um Investitionen in einer solchen Größenordnung
durchzuführen, noch über die "erforderliche Beweglichkeit", um jedem einzelnen
industriellen Interessenten einen individuellen Gaspreis einzuräumen.
299