weiter offen. Bei einer solchen Lösung wären aber gerade - und dies
war klare Absicht - die absatzstarken Großstädte Mainz und Wiesbaden
aus der Belieferung der Saarhütten herausgefallen und ihnen im Wesentlichen
nur die eher ländlich strukturierten Provinzen Oberhessen
und Starkenburg als Verbrauchsgebiete geblieben. Infolgedessen lehnten
die Saarvertreter den Vorschlag ab: die Saar müsse vorab zur Lieferung
kommen, die Ruhr dagegen erst, so lautete der Gegenvorschlag,
wenn der Gasverbrauch Hessens und benachbarter Gebiete die Mindestgrenze
von 100 Mio. Kubikmeter überschritten habe.132
Die Vorschläge, welche die TGW dann jedoch in Absprache mit der
RAG im November 1928 vorlegte, kamen den Verbesserungswünschen
der Saar entgegen. Einerseits planten die westdeutschen Partner eine
Demarkation der Absatzgebiete, indem das Gebiet nördlich einer Linie
Neuerburg (Eifel), St. Goar, Bingen, Fulda den westdeutschen Ferngasunternehmen
überlassen bleiben sollte, hingegen das Gebiet südlich
von Neuerburg, Bullay (Mosel), Münster a. St. (Nahe) und Worms, begrenzt
vom Rhein der Saar zustand. In das restliche Gebiet Hessens bis
zur bayerischen Grenze sollten Ruhr und Saar über eine gemischtwirtschaftliche
Gesellschaft im Verhältnis drei Viertel zu ein Viertel liefern.
Vorab erhielt die Saar die Erlaubnis, 50 Mio. Kubikmeter in das in
Frage kommende Gebiet abzugeben, die nächsten 50 Mio. durfte die
Ruhr übernehmen. Die darüber hinausgehenden Mengen sollten solange
jeweils zur Hälfte geliefert werden, bis die Saar insgesamt 100
Mio. Kubikmeter abgegeben hätte. Dann durfte wiederum die Ruhr
solange liefern, bis sie ihrerseits drei Viertel des Konsums in dem gemeinsam
zu versorgenden Gebiet erreicht hätte. Erst ab dieser Menge
wäre der Zuwachs im Verhältnis drei Viertel (Ruhr) zu ein Viertel (Saar)
aufgeteilt worden.133
Vor allem die langfristig vorgesehene Aufteilung, die der Ruhr 75 Prozent
der Mengen zugestand, erwies sich für die Saar allerdings als untragbar.
Denn für sie - so Oberbürgermeister Neikes - sei die beabsichtigte
Leitung nach Hessen die erste Ferngasleitung, über die sie den
Großteil ihrer Einnahmen bestreiten müsse. Dagegen verfüge die Ruhr
bereits über ein ausgedehntes Transportsystem und setze bereits mehrere
hundert Mio. Kubikmeter jährlich ab.134 Da die Ruhr keinerlei Anstalten
machte, von der vorgesehenen Verteilung abzugehen und in der
Zwischenzeit ihr Preisangebot an die Hekoga überdies nach unten korrigierte,
schaltete die neu gegründete FGS erneut das Handelsministe -
1 32 A Stadtverband Sbr. G-S/10: Besprechung vom 18.10.1928
133 A Stadtverband Sbr. G-S/ll: Vorschläge der TGW
134 A Stadtverband Sbr. G-S/ll: Besprechung in Koblenz am 16.11.1928
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