Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Beide  Interessengruppen  -  Ferngas-  und  Gruppengasbefürworter  -  versuchten
  ihren  Einfluss  auszubauen,  indem  sie  Gesellschaften  gründeten.
  Um  die  Verhandlungsposition  gegenüber  potenziellen  Lieferanten
zu  verbessern,  schlossen  sich  die  hessischen  Städte  und  Provinzen  im
März  1928  zur  Hessischen  Kommunalen  Gasfernversorgung  (Hekoga)
zusammen,  während  die  Gegner  der  Ferngasversorgung,  die  Städte
Frankfurt  und  Mannheim,  die  Südwestdeutsche  Gasgesellschaft  AG
(Süwega)  gründeten.126  Die  Süwega  plädierte  im  Gegensatz  zur  Hekoga
für  einen  Ausbau  der  Gruppengasversorgung  und  das  allmähliche  Zusammenwachsen
  der  Hauptverbrauchsgebiete  Frankfurt  und  Mannheim.
  Ferngas  durfte  laut  Satzung  nur  bezogen  werden,  wenn  die  Gesellschaft
  oder  ein  Mitglied  der  Gesellschaft  das  Gas  nicht  zu  gleichen
Bedingungen  liefern  wollten.127
Da  die  Ruhrgaswirtschaft  schon  kurz  nach  ihrer  Gründung  mit  einem
ersten  Angebot  an  die  Hegoka  herantrat,  sah  sich  auch  die  saarländische
  Ferngaswirtschaft  zum  Handeln  gezwungen.  Innerhalb  der  sich  in
Gründung  befindlichen  Saar-Ferngasgesellschaft  kam  man  überein,  sowohl
  mit  der  Hekoga  ins  Gespräch  zu  kommen,  als  auch  beim  Preußischen
  Handelsministerium  und  beim  Reichswirtschaftsministerium  für
die  Interessen  der  saarländischen  Gaswirtschaft  zu  werben.  Es  bestand
zunächst  der  Vorschlag,  ausgehend  von  Neunkirchen  eine  Hochdruckleitung
  über  Oberstein,  Kreuznach,  Bingen  und  Mainz  rheinaufwärts
  über  Frankfurt,  Darmstadt,  Mannheim  nach  Karlsruhe  zu  verlegen,
  welche  mit  einer  Leitung  über  Pirmasens  und  Landau  zu  einer
Ringleitung  zusammengeschlossen  werden  sollte.128
Insbesondere  das  Preußische  Handelsministerium  befürwortete  die
Pläne  der  saarländischen  Gaswirtschaft.  Zum  einen  vertrat  das  Ministerium,
  dem  bis  zum  Ende  des  Ersten  Weltkriegs  der  staatliche  Bergbau
und  damit  auch  die  Kokerei  in  Heinitz  unterstand,  im  Hinblick  auf  eine
mögliche  Rückgliederung  des  Saarlandes  an  Deutschland  direkte  industriepolitische
  Ziele.  Deshalb  wollte  die  Behörde  die  nach  Umstellung
  der  staatlichen  Kokerei  zu  erzielenden  Koksgasmengen  -  über  50
126  Vgl  Ritzel  (1928),  S.  29;  Segelken  (1930),  S.  19;  Rebentisch  (1974),  S.  70;  auch
Mainzer  Tagesztg.  vorn  21.3.1928:  Die  Gasfernversorgung  in  Hessen;  das  Kapital  der
Hekoga  war  auf  die  Städte  Darmstadt,  Mainz,  Worms  und  Gießen  (49  %),  die  Provinzen
  Rheinhessen,  Oberhessen  und  Starkenburg  (49  %)  sowie  Hessen  (2  %)  verteilt.
Die  Süwega,  deren  Akdenkapital  von  50.000  Reichsmark  anfangs  allein  von  Frankfurt
und  Mannheim  aufgebracht  wurde,  erweiterte  1929/30  ihre  Mitgliedsbasis  um  Karlsruhe,
  Heidelberg,  Hanau,  Pforzheim,  Ludwigshafen  und  Wiesbaden  und  erhöhte  ihr
Stammkapital  auf  eine  Mio.  RM;  Saarbrücker  Ztg.  vom  9.2.1931:  Die  Gasfernversorgungin
  Süddeutschland  und  vom  20.3.1929:  Südwestdeutsche  Gas-Aktiengesellschaft
127  Pfälzische  Rundschau  vom  12.2.1929:  Ludwigshafen  und  die  Gasfernversorgung
A  Stadtverband  Sbr.  G-S/10:  GBG  an  Handelskammer  vom  22.3.1928

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