Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

rung  der  eigenen  Gemeinde,  angrenzender  Vororte  oder  allenfalls  benachbarter
  Kommunen.  Darmstadt  etwa  weitete  1927/28  seine  Versorgung
  auf  Dieburg  und  Pfungstadt  aus,  Wiesbaden  übernahm  zwischen
1926  und  1928  die  Belieferung  von  Erbenheim,  Kloppenheim,  Igstadt;
und  Main^  schloss  mit  Rüsselsheim  und  verschiedenen  rechtsrheinischen
  Industriebetrieben  Lieferverträge  ab.119
Lediglich  die  Stadt  Frankfurt  schuf  frühzeitig  die  Voraussetzungen  für
eine  weit  über  die  Stadtgrenzen  hinausreichende  Versorgung.  1927
wandelte  die  Frankfurter  Gasgesellschaft,  die  sich  seit  1915  zu  55  Prozent
  in  städtischem  Besitz,  zu  40  Prozent  aber  im  Besitz  des  RWE  befand,
  das  alte  Gaswerk  Bockenheim  zu  einer  Großkokerei  um,  die
höchsten  technischen  Ansprüchen  genügte.12"  Da  die  Mitgliedschaft
des  RWE  über  die  Selbstverbraucherrechte  bis  dahin  den  Bezug  verbilligter
  Rohkohle  sicherstellte,  drohte  Frankfurt  nach  dem  Ausscheiden
des  RWE  aus  der  Frankfurter  Gasgesellschaft  gleich  in  doppelter  Hinsicht
  die  totale  Abhängigkeit  vom  Ruhrbergbau.  Zum  einen  liefen  1929
die  Syndikatsbestimmungen  aus,  die  den  Mitgliedszechen  den  Bezug
verbilligter  Kohle  einräumten.  Zum  anderen  kam  in  dieser  Situation  der
so  genannte  Verpflichtungsschein  an  die  Öffentlichkeit,  der  den  Zechen
  die  Belieferung  von  Dritten  untersagte,  um  vor  allem  die  Großkommunen
  zu  einem  Ferngasanschluss  zu  zwingen.121  Frühzeitig  erwarb
  die  Stadt  deshalb  eigene  Kohlenfelder  in  Rossenray  am  Niederrhein,
  um  sich  gegenüber  den  Ruhrzechen  nicht  erpressbar  zu  machen.
Einen  Ferngasanschluss  Frankfurts  wollte  die  Stadt  unter  allen  Umständen
  verhindern.  Die  Basis  der  Gaswirtschaft  -  so  der  Frankfurter
Magistrat  in  einer  Denkschrift  vom  Januar  1928  -  müsse  die  kommunale
  Gaserzeugung  sein.  Gerade  die  großen  Kommunen  könnten  ihre
Anlagen  so  betreiben,  dass  sie  keinen  Vergleich  mit  dem  Ferngas  zu
scheuen  brauchten.  Zudem  müssten  gerade  die  Großstädte  einem
Koksmonopol  der  Ruhrzechen  unter  allen  Umständen  entgegenwirken.122


V7  Vgl.  Battenberg/Wolf  (1980),  S.  444;  Finter  (1953),  S.  2;  Mainzer  Tagesztg.  vom
30.6.1926:  Die  Stadt  Mainz  und  die  Ferngasversorgung;  Kopp  (1993),  S.  22
120  Vgi  Becker  (1928),  S.  48  f.;  Main-Gaswerke  AG  (1953),  S.  18;  Main-Gaswerke
AG  (1978),  S.  91;  die  Frankfurter  Gasgesellschaft  wurde  im  Dezember  1930  liquidiert,
sämtliche  Anlagen  gingen  auf  die  Main-Gaswerke  AG  über.
121  Vgl.  Rebentisch  (1974),  S.  52
122  Winkler  (1934),  S.  18  ff.;  Löwenstein  (1948),  S.  28  ff.,  ähnlich  auch  Frankfurter
Ztg.  vom  29.10.1927:  Die  Köln-Frankfurter  Gas-  und  Kohlenfrage;  Berliner  Tageblatt
vom  16.1.1928:  Der  Kampf  um  die  Ferngasversorgung  in  Süddeutschland;  Frankfurter
  Post  vom  18.10.1929:  Die  Hekoga  für  das  Ruhrgas-Angebot;  Frankfurter  Nachrichten
  vom  18.10.1929:  Zusammenschluß  Hekoga-Süwega  gescheitert

286
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.