sei. Eine überregionale Versorgung gehöre dagegen keineswegs in das
unmittelbare Aufgabengebiet der Gemeinden, zumal für eine überörtliche
Versorgung bereits Leitungsnetze vorhanden seien. Ein gemischtwirtschaftliches
Unternehmen komme den Interessen der Kommunen
durchaus entgegen.103 Auch die Vertreter der Stadt Saarbrücken, Oberbürgermeister
Hans Neikes und der Beigeordnete Armbrüster, gingen
nach und nach von ihrer ursprünglichen Position - der Gründung eines
rein kommunalen Unternehmens - ab. Die Stadt Saarbrücken, so Neikes,
müsse nicht nur ihr eigenes Interesse, sondern auch gesamtwirtschaftliche
Ziele wie die Unterstützung der saarländischen Kohlewirtschaft
wahrnehmen. Im Übrigen komme man nach seiner Ansicht im
Bereich der fünf preußischen Landkreise an der GBG nicht vorbei, da
sie langfristig über die Wegerechte und die Konzessionsverträge verfüge.
Leitungen unter Umgehung der bestehenden Konzessionsgebiete
der GBG erforderten indessen einen viel zu hohen Kapitalaufwand.
Vordringlich sei vielmehr die schnellstmögliche Gründung eines gemischtwirtschaftlichen
Unternehmens, um nicht weiter Boden gegenüber
der Ruhrgaswirtschaft zu verlieren.
Angesichts dieses Positionswandels der Saarbrücker Vertreter gerieten
die beiden saarpfälzischen Bürgermeister mit ihrer Auffassung ins Abseits.
Sie wurden phasenweise nicht mehr zu den Besprechungen der
Kommunalvertreter eingeladen. Lediglich die Sozialdemokraten unter
ihrem Vorsitzenden Max Braun lehnten über ihr Presseorgan, die
"Volksstimme", eine gemischtwirtschaftliche Gesellschaft weiterhin
entschieden ab: "Gerade die Geschichte der RUGE als einer gemischtwirtschaftlichen
Gesellschaft hat gezeigt, daß einerseits die privatkapitalistische Seite solche Gesellschaften
lediglich als ein Geschäfts- und Ausbeutungsobjekt %ur Verbesserung
der eigenen Rentabilität und Gewinnchancen und als Großauftraggeber betrachtet
und daß andererseits die Geschäftsführung in solchen gemischtwirtschaftlichen Gesellschaften
trotz gemeinwirtschaftlicher Mehrheit gang privatkapitalistisch aufgezogen
und eingestellt sein kann, und dann sowohl in ihrer Wirtschafts- wie in ihrer
Sozialpolitik sich reaktionär auswirkt. Auch hat sie bewiesen, daß kommunale
Mehrheiten zu leicht durch geschicktes Vorgehen der privatkapitalistischen Seite in
den Aufsichtsratssitzungen wie im Präsidium zu kommunalen Sonderheiten gemacht
werden können"
Auch die Produzentenseite erwies sich - wenn auch aus anderen Motiven
- als ein entschiedener Gegner einer kommunalwirtschaftlichen
Lösung, sie bevorzugte eine privatwirtschaftliche Organisation unter
A Stadtverband Sbr. G-S/7: Besprechung vom 22.2.1928
^■4 Braun (1928); ähnlich Volksstimme vom 9.6.1928: Vom Plan zur Tat! Saarländische
Ferngas-Möglichkeiten.
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