Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Beschwerden  auf  den  Bürgermeisterversammlungen,  seien  unkontrollierbare
  "Gasverluste"  bis  zu  25  Prozent  entstanden.  Man  müsse  zu  der
Auffassung  gelangen,  "daß  in  diesen  angeblichen  1  Verlusten  in  Wirklichkeit  ein
sehr  großer  Teil  des  Geschäftsgewinnes  der  G.B.G.  stecke"A  Da  nicht  auszuschließen
  sei,  dass  die  Hüttenwerke  finanziell  an  der  GBG  beteiligt
seien,  müssten  die  Kommunen  einer  Monopolisierung  der  Gasversorgung
  von  Seiten  der  GBG  und  der  Hütten  entgegenwirken.  Auch  gelte
es  in  Zukunft  auszuschließen,  dass  Großverbraucher  direkt  von  einer
Zwischenhändlerin  wie  der  GBG  beliefert  werden  könnten.  Schließlich
werde  die  Bedeutung  der  GBG  generell  überschätzt,  denn  sie  vertreibe
nicht  einmal  ein  Drittel  des  im  Saargebiet  abgesetzten  Gases.9
Den  heftigsten  Widerstand  gegen  die  Berliner  Firma  leisteten  die  Städte
Homburg  und  St.  Ingbert.  Hier  kam  am  10.  November  1927  unter  Federführung
  der  Bürgermeister  von  Homburg  und  St.  Ingbert,  Ruppersberg
  und  Kempf,  die  Gründung  einer  eigenen  Gesellschaft  zustande:
  der  "Gemeinnützigen  Gasversorgungsgesellschaft  mbH"
(GGG).98  Laut  Gesellschaftsvertrag  bildete  der  Gegenstand  des  Unternehmens
  „die  Beschaffung  und  Tortleitung  von  Gas  aus  den  Er^eugungsStätten
des  Saargebietes  sowie  die  Errichtung  der  hierzu  erforderlichen  Anlagen,  die  Veräusserung
  dieses  Gases  durch  Gemeinden  und  Gemeindeverbände  an  Industrie  und
Bevölkerung,  die  Beteiligung  an  ähnlichen  Unternehmungen".99
Konkreten  Ausschlag,  eine  eigene  Gesellschaft  für  die  beiden
saarpfälzischen  Städte  zu  gründen,  gab  der  Plan  des  Neunkircher  Eisenwerks,
  ihre  Tochterfirma  Homburger  Eisenwerke  über  eine  13  Kilometer
  lange  Hochdruckleitung  mit  Kokereigas  aus  Neunkirchen  zu
versorgen.  Dieses  Vorhaben  wollte  der  Homburger  Bürgermeister  auf
alle  Fälle  verhindern.  Er  befürchtete,  dass  durch  die  Direktbelieferung
die  Großkunden  nach  und  nach  aus  der  kommunalen  Versorgung  herausgebrochen
  würden,  sodass  die  Stadt  mit  erheblichen  Einnahmeverlusten
  rechnen  musste.  Mit  dem  Anschluss  des  Homburger  Eisenwerks
  an  eine  Ferngasleitung  wäre  der  größte  örtliche  Verbraucher
weggefallen.100

^  A  Stadtverband  Sbr.  G-S/7:  Bürgermeisterkonferenz  vom  23.12.1927
A  Stadtverband  Sbr.  G-S/7:  Besprechungen  vom  4.1.1928

98
99

Vgl.  Körting  (1963),  S.  490
LA  Sbr.  Dep.  Merzig-Stadt  694:  Gesellschaftsvertrag

SA  Sbr.  G  24/7099:  Besprechung  betr.  Gasfernversorgung  in  Homburg  am
30.12.1926;  das  Homburger  Eisenwerk  versprach  sich  von  der  Umstellung  auf  Ferngas
  eine  Reihe  von  Vorteilen:  die  Verringerung  der  Anheizzeiten  und  der  Leerlaufverluste,
  Personaleinsparung  infolge  einfacherer  Bedienung,  Verringerung  des  Abbrands
  des  Eisens  um  drei  Prozent,  eine  längere  Haltbarkeit  der  Öfen,  hygienische
Vorteile  für  die  Arbeiter,  dadurch  eine  Steigerung  der  Produktion  um  bis  zu  zehn
Prozent.

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