Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

den  lokalen  Gaswerke  unterstanden  überwiegend  den  jeweiligen  Kommunen,
  der  Rest  gehörte  Privatfirmen  oder  war  an  die  GBG  verpachtet.92
  Auch  in  denjenigen  Städten  und  Gemeinden,  die  schon  frühzeitig
Kokereigas  erhielten,  herrschten  unterschiedliche  Versorgungsstrukturen.
  Während  Saarbrücken  und  Neunkirchen  das  Kokereigas  direkt  von
den  benachbarten  Hütten  bekamen,  bedienten  sich  die  Völklinger
Hütte,  die  Röchling-Kokerei  in  Altenwald  und  teilweise  auch  das
Neunkircher  Eisenwerk  der  GBG  als  Zwischenhändlerin.  Dem  Berliner
Unternehmen  war  es  nicht  nur  geglückt,  bis  1927  mit  mehr  als  zehn
Bürgermeistereien  der  Landkreise  Saarbrücken,  Saarlouis  und  Ottweiler
Konzessions-  und  Lieferverträge  abzuschließen,  es  handelte  zudem
zwischen  1925  und  1928  mit  sämtlichen  fünf  Hüttenwerken  Verträge
aus,  die  ihm  bis  1945  die  ausschließliche  Andienung  des  überschüssigen
Kokereigases  garantierten.  Schließlich  gelang  es  der  GBG  erfolgreich,
nach  und  nach  industrielle  Großabnehmer  (Fenner  Glashütte,  Glashütte
  Vopelius  usw.)  durch  Direktbelieferung  aus  der  kommunalen
Versorgung  herauszubrechen.93  Eine  wie  auch  immer  geartete  neue
Ferngasgesellschaft  kam  also  an  der  GBG  nicht  vorbei.
Angesichts  der  Erfahrungen  hatte  sich  unter  den  saarländischen
Kommunen  vor  allem  nach  Ende  des  Ersten  Weltkrieges  eine  deutliche
Ablehnung  gegenüber  der  GBG  breit  gemacht,  die  nicht  zuletzt  aus  der
mangelhaften  rechtlichen  Gestaltung  der  Verträge,  aber  auch  aus  der
unseriösen  Geschäftspolitik  der  GBG  resultierte.  Mehrere  Gemeinden,
so  Sulzbach  schon  1921  und  Völklingen  1922,  hatten  sich  für  eine  Rekommunalisierung
  der  Gasversorgung  oder  die  Gründung  eines  kommunalen
  Zweckverbandes  stark  gemacht.94  Selbst  der  Saarbrücker  Bürgermeister,
  Hans  Neikes,  nicht  direkt  vom  Geschäftsgebaren  der  GBG
betroffen,  sprach  sich  noch  1926  für  eine  rein  kommunale  Ferngasgesellschaft,
  gegebenenfalls  unter  Beteiligung  der  Saar,  der  Pfalz  und  Hessens
  aus.95
Die  Marschroute  der  Kommunen  und  Landkreise  stand  somit  gleich  zu
Beginn  der  Verhandlungen  fest:  eine  neu  zu  gründende  Ferngasgesellschaft
  sollte  rein  kommunal  organisiert  sein.  Insbesondere  die  GBG
musste  auf  alle  Fälle  ausgeschaltet  werden.  Unter  ihrer  Ägide,  so  die

9^  Gemeindeeigene  Gaswerke  waren  Dudweiler,  Illingen,  St.  Wendel,  Spiesen,  Wiebelskirchen,
  Neunkirchen,  St.  Ingbert,  Homburg  und  Mittelbexbach;  gemischt-  oder  in
privatwirtschaftlichem  Besitz  waren  Merzig  und  Schiffweiler,  während  die  Gaswerke
in  Bous  und  Fraulautern  an  die  GBG  verpachtet  waren.
93  LA  Sbr.  Dep.  Merzig  Stadt  691:  GBG:  Beschreibung  der  zur  Zeit  vorhandenen
Gasversorgungsanlagen  vom  18.7.1925
9^  A  Stadtverband  Sbr.  G-S/74:  Bürgermeister  Völklingen  an  Landrat  vom  6.6.1922
95  SA  Sbr.  G  24/7099:  Brief  von  Neikes  vom  21.12.1926

276
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.