Koksgasabgabe vergleichsweise gering. 63 Prozent der gesamten Gaserzeugung
verarbeiteten die Kokereien im eigenen Betrieb, während 34
Prozent an die Stahl- und Walzwerksbetriebe, aber nur 3,6 Prozent an
die umliegenden Städte und Gemeinden abgegeben wurden,88
Andererseits ließ der Koksbedarf der Saarhütten, der täglich etwa 5.000
Tonnen betrug, erkennen, welch beträchtliche Koksgasmengen nach
Umstellung der Öfen zu gewinnen gewesen wären. Die Modernisierung
und Umrüstung von nur 20 Prozent der veralteten Koksöfen in
schwachgasbeheizte Öfen ergaben eine verfügbare Koksgasmenge von
850.000 Kubikmeter täglich oder 310 Mio. Kubikmeter im jahr.89
Angesichts dieser Entwicklungsperspektiven kam das Oberbergamt zu
der Schlussfolgerung: "Aus diesen Überlegungen ergibt sieb, daß im Laufe der
nächsten Jahre (...) riesige Gasmengen gur Verfügung stehen werden, die %ur Versorgung
eines ausgedehnten Femgasnetges ausreichen"V Um welch bedeutende
Mengen es sich bei den errechneten 310 Mio. Kubikmeter handelte,
wird deutlich, wenn man diese Menge dem tatsächlichen Gasverbrauch
des Saargebietes gegenüberstellt: dieser betrug 1926 ca. 40 Mio. Kubikmeter,
wovon immerhin 29 Mio. von den Hüttenwerken stammten,
und elf Mio. Kubikmeter in lokalen Gaswerken erzeugt wurden. Nicht
zuletzt auch als ein Instrument zur Lösung der Absatzprobleme der Eisenhütten
und der Saargruben spielte der Ausbau der Kokereigasversorgung
eine wichtige strategische Rolle.91 Absatzpotenziale machten
die Hütten vor allem in denjenigen Gemeinden aus, die noch eigene
Gaswerke unterhielten (11 Mio. cbm) sowie in den noch "gasfreien"
Orten (20 Mio. cbm). Diese Mengen wurden noch erheblich von dem
theoretischen Bedarf der Glashütten (25 Mio. cbm), der weiterverarbeitenden
Eisenindustrie (50 Mio. cbm) sowie der benachbarten Pfalz
(80 Mio. cbm) übertroffen.
Genauso wenig wie in technischer Hinsicht bestanden 1926 auch organisatorisch
die Voraussetzungen, die überregionale Ferngasversorgung
aufzunehmen. Während in Westdeutschland die Ruhrgas AG als führendes
Ferngasunternehmen sukzessive aus dem rheinisch-westfälischen
Kohlensyndikat und der AfK hervorging, teilte sich die Gaswirtschaft
im Saargebiet auf unterschiedliche Träger, sowohl öffentlicher,
als auch privatwirtschaftlicher Natur auf. Die dreizehn noch bestehen¬^
Vgl. Bleibtreu (1928), S. 44 f. und Latz (1985), S. 120 ff.; Stahl und Fasen, 48. Jg.
(1928), Nr. 5, S. 144
9 Hierbei sind noch nicht die Überschussgasmengen der Heinitzer Kokerei berücksichtigt,
die jährlich rund 53 Mio. Kubikmeter ausmachten.
9^ LA Sbr. 564/2298: Gutachten vom 17.4.1928 über die Frage: Ist die Saarkohle geeignet,
die Grundlage einer rationellen Gasfernversorgung zu bilden?
91 Vgl. Kreitz (1927)
275