ofenanlage für insgesamt über 10 Mio. Mark. Zwischen 1908 und 1925
hatte die Stadt schon 39 Stadtteile und benachbarte Gemeinden an das
städtische Netz angeschlossen. In dieser Phase kauften die Technischen
Werke die Erzeugungsanlagen und Verteilungsnetze von insgesamt
sechs bis dahin selbständigen Gaswerken auf, weil Privatleute oder
Gemeinden nicht in der Lage waren, Erweiterungs- und Modernisierungsinvestitionen
vorzunehmen. Ab 1924 dehnte die Stadt ihre
Versorgung auch auf weiter entfernte Ortschaften aus, so auf 20 Gemeinden
auf der Filder und 21 Gemeinden im Neckar- und Remstal bis
Schorndorf. Anfang 1928 besaß das überörtliche Versorgungsnetz bereits
eine Länge von 742 Kilometern, im gleichen Jahr baute das Unternehmen
eine zehn Kilometer lange Hochdruckleitung nach Böblingen
und Sindelflngen.82
Einen ähnlichen Weg ging Mannheim. Zwischen 1925 und 1927 schloss
das städtische Gaswerk insgesamt neun selbständige Gemeinden an das
Verteilungsnetz an, 1930 nahm man auch die Teilbelieferung von Heidelberg
auf.83 Freiburg erweiterte 1930 sein Versorgungsnetz um 19
Städte und Gemeinden im Badischen Oberland.84 Im Gegensatz zu
Westdeutschland, wo die Verlegung von Hochdruckleitungen infolge
der hohen Industrie- und Bevölkerungsdichte rentabel erschien, konzentrierte
sich in Baden der Hauptabsatz auf die vier Industriezentren
Mannheim, Pforzheim, Karlsruhe und Heidelberg. Alleine 85 Prozent
des Gesamtgasbedarfes von Baden gingen in das Viereck Mannheim,
Heidelberg, Pforzheim, Karlsruhe und Freiburg, nur 15 Prozent auf das
restliche Baden. Während auf 1.400 Quadratkilometer der Ballungsräume
100 Mio. Kubikmeter Gas im Jahr verbraucht wurden, kamen
die restlichen stark landwirtschaftlich geprägten Versorgungsgebiete
von 13.670 Quadratkilometer mit 20 Mio. Kubikmeter aus. Eine großdimensionierte,
das gesamte Land durchziehende Hochdruckleitung
hätte sich betriebswirtschaftlich nicht gelohnt.85
Bis Anfang der 30er-Jahre kann man somit von unterschiedlichen Versorgungskonzeptionen
sprechen. Während in Westdeutschland die
zentrale Ferngasversorgung auf der Basis des vorhandenen Kokereigases
dominierte, blieben Nord- und Süddeutschland die Bastion der
Gruppengasversorgung: "So kommt man also gu dem Ergebnis, daß sich der
Gedanke der Gruppengasversorgung neben dem der 'Zechengasversorgung weiter entwickelt
und daß wahrscheinlich mit der Zeit ein Ausgleich stattfindet derart, daß
82 Vgl. Kett (1983), S. 65 ff.
83 MW (1993), S. 4 f.
8^ Freiburger Energie- und Wasserversorgungs AG (1975)
83 zur Frage der Ferngasversorgung Badens: Eglinger (1928), S. 79 ff
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