Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

der  Großstädte  (40  %),  des  Landeshauptmanns  für  die  Rheinprovinz
(20  %),  der  Landkreise  (20  %)  sowie  der  kreisangehörigen  Städte  (10  %)
und  Landgemeinden  (10  %).  Nachdem  vor  allem  Köln,  aber  auch
Düsseldorf  und  Duisburg  erklärten,  dass  sie  selbständig  entscheiden
wollten,  wurde  die  Gesellschaft  wieder  aufgelöst.  Als  Haupthindernisgrund
  stellte  sich  die  Tariffrage  heraus.  Mit  der  Begründung,  dass  erst
der  Verbrauch  der  Großstädte  den  Bau  einer  Ferngasleitung  ermögliche,
  forderten  sie  Sonderkonditionen  bei  der  Preisgestaltung.  Hierauf
wollten  die  restlichen  Mitglieder  der  Gesellschaft  jedoch  nicht  eingehen.
  Der  Versuch,  im  Rheinland  eine  Gegenmacht  zu  den  Ruhrgasplänen
  zu  installieren,  scheiterte  somit.62
Neben  den  regionalen  Ferngasgesellschaften  etablierten  sich  in  den
20er-Jahren  auch  die  überregionalen  Ferngasunternehmen.  Eines  der
beiden  Unternehmen  in  Westdeutschland  war  die  "Thyssensche  Gasund
  Wasserwerke  GmbH"  (TGW),  die  heute  in  der  RWE  Energy  AG
aufgegangene  ehemalige  Thvssengas  GmbH.  Nachdem  die  zu  den
Thyssen-Werken  gehörende  Gewerkschaft  Deutscher  Kaiser  seit  1905
die  Gemeinden  Walsum  und  Hamborn  versorgte,  wurden  die  Gasaktivitäten
  der  "Wasserwerk  Thyssen  &  Cie.  GmbH"  1921  in  der  "Gasgesellschaft
  mbH"  verselbständigt.  Neben  der  Belieferung  der  Tochterfirma
  "Niederrheinische  Gas-  und  Wasserwerke  GmbH"  versorgte  das
Unternehmen  mit  Barmen,  Elberfeld,  Mülheim,  Oberhausen  und  Bocholt
  mehrere  Großstädte  direkt.  1926  nahm  die  Firma  in  Hamborn
einen  300.000  Kubikmeter  fassenden  Großgasbehälter  in  Betrieb;  1927
erhielt  die  Gesellschaft  den  Namen  "Thyssensche  Gas-  und  Wasserwerke
  GmbH".  Noch  im  gleichen  Jahr  schloss  das  Hamborner  Unternehmen
  mit  der  AfK  zwei  Verträge  ab.  In  einem  Demarkationsvertrag
kamen  beide  Unternehmen  dahingehend  überein,  dass  die  TGW  ihre
vor  Gründung  der  AfK  bestehenden  Versorgungsgebiete  behielt  und
ihr  zusätzlich  der  nördliche  linksrheinische  Teil  der  Rheinprovinz  bis
zur  niederländischen  Grenze  sowie  die  Region  zwischen  Köln  und  Aachen
  als  alleiniges  Interessengebiet  zugestanden  wurden.  Ein  Gemeinschafts
  vertrag  regelte  weiterhin,  dass  die  übrigen  Gebiete  in  Richtung
Düsseldorf,  Köln  und  Bonn  nach  einem  bestimmten  Schlüssel  zwischen
  der  AfK  und  Thyssen  gemeinsam  beliefert  werden  sollten.63  Auf
Grundlage  dieses  Vertrages  erweiterte  das  Unternehmen  in  den  folgenden
  Jahren  sein  Absatzgebiet  erheblich.  1929  errichtete  die  TGW  zusammen
  mit  der  Ruhrgas  AG  die  so  genannte  Westleitung  von  Duis-^
  Frankfurter  Ztg.  vom  10.11.1927:  Das  Problem  der  Gasversorgung;  Frankfurter
Ztg.  vom  15.11.1927:  Um  das  Ferngas;  auch  Verband  (1928),  S.  38  f,;  25  Jahre  Ruhrgas
  (1951),  S.  28  f.;  Rebentisch  (1974),  S.  48  f.
^  Vgl.  Dellweg  (1934),  S.  62;  Thyssengas  (1981),  S.  6

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