Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Westfalen  (20  %),  der  Freistaat  Lippe  sowie  weitere  Gebietskörperschaften
  (40  %),  aber  auch  die  VEW  (40  %)  die  Interessengemeinschaft
"Ferngasversorgung  Westfalen  GmbH".55  Zu  den  wesentlichen
Grundlagen  der  Gesellschaft  gehörte,  dass  ihr  die  Kommunen  das  ausschließliche
  Wegerecht  einräumen  sollten.  Zudem  sollte  allein  die  Gesellschaft
  die  Lieferung  von  Ferngas  übernehmen.  Obwohl  die  AfK  der
neuen  Gesellschaft  schon  im  Oktober  1927  zwei  Verträge,  einen  Mantelvertrag
  sowie  einen  Liefervertrag  vorlegte,  kam  es  nicht  zu  deren
Ratifizierung.
Im  Verlaufe  der  Verhandlungen  hatten  sich  nämlich  die  doch  unterschiedlichen
  Zielsetzungen  der  VEW  und  der  Öffentlichen  Hand  herauskristallisiert.
  Auf  der  einen  Seite  verfügte  die  VEW  schon  seit  1908
über  Erfahrungen  im  Gasgeschäft,  besaß  eine  eigene  Gasabteilung,
nahm  verstärkt  seit  1926  Kokereigas  von  den  westfälischen  Zechen  ab,
befand  sich  somit  im  Gasbezug  nur  zu  einem  kleinen  Teil  in  Abhängigkeit
  von  der  AfK  und  wollte  sich  zudem  im  Gasabsatz  stärker  auf  das
engere  Industriegebiet  und  weniger  auf  die  strukturschwachen  Randgebiete
  konzentrieren.  Nicht  zuletzt  befürchtete  die  VEW  auch,  sich  über
eine  regionale  Ferngasgesellschaft  unnötige  Konkurrenz  zu  ihrem  eigentlichen
  Standbein,  der  Elektrizitätsversorgung,  zu  machen.56  Auf  der
anderen  Seite  lag  aus  Sicht  der  Öffentlichen  Hand  das  vordringliche
Ziel  einer  regionalen  Gasgesellschaft  in  der  Erschließung  des  ländlichen
Raums,  aus  wettbewerbspolitischen  Gesichtspunkten  vor  allem  des
südlichen  Westfalens.
Da  die  Interessen  zwischen  den  beiden  Gruppen  stark  differierten,
gliederte  die  VEW  aus  strategischen  Gründen  zum  1.  Januar  1928  die
Gasabteilung  aus  dem  Unternehmen  aus  und  verselbständigte  sie  als
"Vereinigte  Gaswerke  Westfalen  (VGW)".57  Zu  diesem  Zeitpunkt  übernahm
  die  VGW  sämtliche  Rohrnetze  und  Fernleitungen  von  der  VEW.
"y.ur  Vermeidung  eines  gegeneinander  gerichteten  und  verlustbringenden  Wettbewerbs
  ^wischen  den  beiden  Energiearten  Gas  und  Strom  und  %ur  Ausschaltung  von
Eeerlauf  und  Doppelarbeit,  die  in  der  i  'errechnung  und  Verwaltung  beider  Energiearten
  bei  getrennter  Betriebsführung  gu  erwarten  war",58  gliederten  die  VEW
jedoch  ihre  Tochtergesellschaft  1930  bei  ihrer  Umwandlung  in  eine

Berliner  Tageblatt  vom  13.8.1927:  Gründung  der  "Ferngasversorgung  Westfalen
G.m.b.H.";  Dt.  Allgemeine  Ztg.  vom  8.9.1927:  Die  Ferngasversorgung  marschiert;
Runte  (1931),  S.  44  f.;  Heinz  (1934),  S.  66;  25  Jahre  Ruhrgas  (1951),  S.  28
^  Berliner  Tageblatt  vom  17.4.1928:  Die  Arbeiten  der  Kohleverwertungs-Gesellschaft;
  Heinz  (1934),  S.  29  f.;  Ahrenkiel  (1938),  S.  1;  Lemmerz  (1938),  S.  10
^  Vgl.  Haslinde  (1928),  S.  593;  Heinz  (1934),  S.  67;  zur  Entstehungsgeschichte  der
VEW  allgemein:  Berlo  (1993),  S.  34  ff.
58  Lemmerz  (1938),  S.  10

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