Gladbach und Siegburg - die Rhenag - beschränkt. Selbst Köln wollte
die weitere Entwicklung im engeren Ruhrbezirk abwarten.53
Im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, welches sich politisch aus
Teilen der Provinzen Westfalen und der Rheinprovinz zusammensetzte,
bemühte sich die AfK Fuß zu fassen. Als sich in den fahren 1926/27
die Pläne der AfK zur Ferngasversorgung konkretisierten, versuchten
die westfälischen Landkreise, Städte und der Provinzialverband Einfluss
auf das Vorhaben zu nehmen. Dabei galt es aus ganz unterschiedlichen
Gründen die Ferngasversorgung Westfalens voranzubringen. Auf der
einen Seite galten gerade das westliche und südliche Westfalen als ausgesprochene
Industriereviere. Um möglichen Wettbewerbsnachteilen
gegenüber ihren Konkurrenzunternehmen an Rhein und Ruhr zu entgehen,
drängten vor allem die Hüttenwerke Südwestfalens auf einen
Ferngasanschluss aus dem Ruhrbezirk. Auf der anderen Seite fanden
sich in vor allem im östlichen und nördlichen Westfalen weite Gebiete
vor, in der vorwiegend Landwirtschaft oder kleinere Industriebetriebe
dominierten, die bis dahin über keine oder allenfalls eine kleinbetriebliche
Gasversorgung verfügten. Um solche Gebiete in energiepolitischer
Hinsicht nicht von der wirtschaftlichen Modernisierung auszuschließen
und um Einfluss auf den Verlauf einer möglichen Ferngasleitung zu
nehmen, versuchte die Öffentliche Hand frühzeitig die Ferngaspläne
der AfK in ihrem Sinne zu modifizieren.54
Vor diesem Hintergrund bemühte sich der Landeshauptmann der Provinz
Westfalen, Vertreter der westfälischen Gebietskörperschaften sowie
der AfK mögliche Kooperationsformen auszuloten. Sie strebten
zunächst eine kapitalmäßige Beteiligung Westfalens an der AfK an. Da
weder die privatwirtschaftliche AfK an einer wirksamen Beteiligung der
Öffentlichen Hand Interesse zeigte, noch die westfälischen Städte und
Kreise im Hinblick auf die Zukunftsaufgaben der Ferngasversorgung in
der Lage waren, die erforderlichen Kapitalmittel aufzubringen, einigten
sich beide Seite dahingehend, die Gasverteilung innerhalb Westfalens
einer noch zu gründenden, rein kommunalen Verteilungsgesellschaft zu
überlassen. Stellte eine solche Lösung somit sicher, dass Westfalen die
Leitungsführung in seinem Sinne beeinflussen konnte, hoffte die AfK
über diesen Weg, die Ferngasversorgung schneller, ohne große Reibungsverluste
und flächendeckend aufbauen zu können. Zu diesem
Zweck gründeten im August 1927 der Provinzialverband der Provinz
53 Vgl. Rosellen (1925), S. 172; Oefverberg (1926), S. 12 f.; Verband (1928), S. 16;
Burgbacher (1934), S. 364
54 Vgl. Haslinde (1928); Schneider (1953), S. 224; sehr detailliert Runte (1931)
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