Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

verfügte,  war  im  Rheintal  bis  in  den  Mannheimer  Industrieraum  die  Errichtung
  mehrerer  Kokereien  geplant.52
Konkrete  Gestalt  nahmen  die  Pläne  aber  nur  in  Köln  an.  Im  dortigen
Hafengelände  beabsichtigten  die  Thyssen-Werke,  eine  Zentralkokerei
samt  zugehöriger  Düngerfabrik  und  Nebenproduktenanlage  zu  bauen.
Mit  dem  dabei  anfallenden  Kokereigas  wollten  sie  Köln,  Bonn  und  die
Städte  und  Gemeinden  entlang  des  Rheins  bis  Koblenz  versorgen.  Zur
näheren  Prüfung  des  Projektes  gründeten  verschiedene  Städte  unter
Federführung  von  Köln  und  Bergisch-Gladbach  sowie  einiger  Gasversorgungsunternehmen
  -  u.a.  der  Thüringischen  Gasgesellschaft  -  im
August  1922  eine  "Studiengesellschaft  zum  Studium  der  Frage  einer
Gasversorgung  des  Rheintales",  die  spätere  "Rheinische  Gasfernversorgungs
  GmbH".  Die  Arbeiten  gingen  so  weit  voran,  dass  für  einzelne
Städte  bereits  unterschriftsreife  Vertragsentwürfe  Vorlagen,  und  das
Ferngasprojekt  auf  die  Städte  Mainz  und  Wiesbaden  ausgedehnt  wurde.
Aus  Gründen  der  besseren  RealisierungsFähigkeit  des  Projektes  teilte
die  Rheinische  Gasfernversorgung  GmbH  das  gesamte  Gebiet  entlang
des  Rheintales  in  einzelne,  wirtschaftlich  zusammenhängende  Bezirke
auf,  die  anfangs  jeweils  von  einer  Zentrale  aus  (u.a.  in  Köln,  Siegburg,
Koblenz,  Mainz,  Wiesbaden)  und  später  nach  Fertigstellung  einer
Ferngasleitung  mit  Kokereigas  aus  dem  Ruhrrevier  versorgt  werden
sollten.  In  den  Bezirken  war  die  Gründung  gemischtwirtschaftlicher
Unternehmen  (Untergesellschaften)  angedacht,  wobei  die  Gemeinden
die  Mehrheit  der  Anteile  übernehmen  sollten.  Dagegen  sollte  die  Lieferung
  des  Ferngases  über  eine  Dachgesellschaft,  die  "Westdeutsche
Gasgesellschaft",  erfolgen.
Aus  mehreren  Gründen  kam  das  Vorhaben  nie  zur  Umsetzung.  Schon
frühzeitig  schieden  Mainy  und  Wiesbaden  als  potenzielle  Interessenten
aus,  da  genauere  Untersuchungen  ergaben,  dass  sich  eine  Ferngasversorgung
  allenfalls  bis  Koblenz  wirtschaftlich  gestaltete.  Dort  bezogen
jedoch  die  beiden  wichtigsten  Städte,  Neuwied  und  Koblenz,  bereits
seit  1913  beziehungsweise  1915  Kokereigas  von  der  benachbarten
Bendorfer  Concordia-Hütte.  Zwischen  Koblenz  und  Rolandseck  vertrieb
  die  Gasfernversorgung  Mittelrhein  GmbH,  eine  Tochterfirma  der
Thüringer  Gasgesellschaft,  zusätzlich  Kokereigas  der  Concordia  Hütte.
Die  Rheinische  Gasfernversorgung  GmbH  musste  somit  von  vorneherein
  den  Verlust  der  entscheidenden  Absatzgebiete  befürchten.  So
blieb  die  Bildung  von  Untergesellschaften  auf  die  Städte  Bergisch-^
  Vgl.  Oefverberg  (1926),  S.  6  £;  schon  1912  plante  der  Ruhrbergbau  in  Mannheim,
eine  Kokerei  zu  errichten,  um  die  benachbarten  Städte  Mannheim  und  Heidelberg  mit
Gas  zu  versorgen.  Der  Plan  wurde  jedoch  aufgegeben,  weil  die  Eigenerzeugung  billiger
  als  die  Kokereigasversorgung  war.

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