Schaft ausführen zu lassen. Nur bei einer solchen Lösung ließen sich die
Interessen beiden Seiten - also das Versorgungsinteresse und das Interesse
der Gewinnmaximierung - berücksichdgen und monopolartige
Auswüchse ausschließen.51
Obwohl somit verschiedene Gebietskörperschaften die Gründung einer
gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft als Vorbedingung für die
Vergabe von Wegerechten und den Abschluss von Bezugsverträgen in
die Diskussion brachten, stand die Beteiligung der Öffentlichen Hand
an der AfK beziehungsweise der Ruhrgas AG nie wirklich zur Disposition.
In erster Linie erwies sich der Ruhrbergbau als ein entschiedener
Gegner jeglicher gemischtwirtschaftlicher Modelle. Zugleich bestand in
der Gaswirtschaft eine ganz andere Ausgangslage als in der Elektrizitätswirtschaft.
Während beispielsweise das RWE im Zuge seiner Entwicklung
zum Regionalversorger der Mitwirkung der Kommunen bedurfte
und den Kommunen im Gegenzug zur Erteilung von Wegerechten,
zur Übernahme von Leitungsnetzen und zur Aufgabe der Eigenerzeugung
Stimmrechte und Aktienanteile am Stammkapital anbot,
zielte die Ferngasversorgung von Anfang an auf die überregionale Versorgung.
Das bedeutete umgekehrt, dass die kommunale Endverteilung
zumindest für die Haushaltskunden und Kleinverbraucher beibehalten
werden und die Gemeinden von daher im Besitz ihrer örtlichen Verteilungsanlagen
bleiben sollten. Lediglich die überregionalen Netze
wollte die AfK kontrollieren. Finanziell überstieg der Eigenkapitalbedarf
überregionaler Gasgesellschaften den finanziellen Handlungsspielraum
der meisten Gemeinden.
3. Der Ausbau der Ferngasversorgung in den 20er und 30er-Jähren
Die Idee, große Teile Deutschlands aus den westdeutschen Kohlenzechen
zu versorgen, kam schon vor Gründung der Ferngasgesellschaften
auf. 1921 bestanden Bestrebungen, das ganze Rheintal von Köln bis
Mannheim, die Städte Mönchengladbach und Krefeld sowie den
Aachener Bezirk mit Ferngas zu beliefern. Während danach Krefeld
und Mönchengladbach von den Ruhrzechen Ferngas erhalten sollten,
im Aachener Revier der Eschweiler Bergwerksverein über Kokereien
51 Vgl. Bolz (1927), S. 10 f.
256