Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Schaft  ausführen  zu  lassen.  Nur  bei  einer  solchen  Lösung  ließen  sich  die
Interessen  beiden  Seiten  -  also  das  Versorgungsinteresse  und  das  Interesse
  der  Gewinnmaximierung  -  berücksichdgen  und  monopolartige
Auswüchse  ausschließen.51
Obwohl  somit  verschiedene  Gebietskörperschaften  die  Gründung  einer
gemischtwirtschaftlichen  Gesellschaft  als  Vorbedingung  für  die
Vergabe  von  Wegerechten  und  den  Abschluss  von  Bezugsverträgen  in
die  Diskussion  brachten,  stand  die  Beteiligung  der  Öffentlichen  Hand
an  der  AfK  beziehungsweise  der  Ruhrgas  AG  nie  wirklich  zur  Disposition.
  In  erster  Linie  erwies  sich  der  Ruhrbergbau  als  ein  entschiedener
Gegner  jeglicher  gemischtwirtschaftlicher  Modelle.  Zugleich  bestand  in
der  Gaswirtschaft  eine  ganz  andere  Ausgangslage  als  in  der  Elektrizitätswirtschaft.
  Während  beispielsweise  das  RWE  im  Zuge  seiner  Entwicklung
  zum  Regionalversorger  der  Mitwirkung  der  Kommunen  bedurfte
  und  den  Kommunen  im  Gegenzug  zur  Erteilung  von  Wegerechten,
  zur  Übernahme  von  Leitungsnetzen  und  zur  Aufgabe  der  Eigenerzeugung
  Stimmrechte  und  Aktienanteile  am  Stammkapital  anbot,
zielte  die  Ferngasversorgung  von  Anfang  an  auf  die  überregionale  Versorgung.
  Das  bedeutete  umgekehrt,  dass  die  kommunale  Endverteilung
zumindest  für  die  Haushaltskunden  und  Kleinverbraucher  beibehalten
werden  und  die  Gemeinden  von  daher  im  Besitz  ihrer  örtlichen  Verteilungsanlagen
  bleiben  sollten.  Lediglich  die  überregionalen  Netze
wollte  die  AfK  kontrollieren.  Finanziell  überstieg  der  Eigenkapitalbedarf
  überregionaler  Gasgesellschaften  den  finanziellen  Handlungsspielraum
  der  meisten  Gemeinden.

3. Der  Ausbau  der  Ferngasversorgung  in  den  20er  und  30er-Jähren

Die  Idee,  große  Teile  Deutschlands  aus  den  westdeutschen  Kohlenzechen
  zu  versorgen,  kam  schon  vor  Gründung  der  Ferngasgesellschaften
auf.  1921  bestanden  Bestrebungen,  das  ganze  Rheintal  von  Köln  bis
Mannheim,  die  Städte  Mönchengladbach  und  Krefeld  sowie  den
Aachener  Bezirk  mit  Ferngas  zu  beliefern.  Während  danach  Krefeld
und  Mönchengladbach  von  den  Ruhrzechen  Ferngas  erhalten  sollten,
im  Aachener  Revier  der  Eschweiler  Bergwerksverein  über  Kokereien

51  Vgl.  Bolz  (1927),  S.  10  f.

256
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.