ständigkeit kleiner Gasversorgungen bleibt also gleich, ja unter Umständen sicherer,
wenn ihnen gleiches Gas frei Behälter %um gleichen Preise geliefert werden kann, %u
dem sie selbst erzeugen “44
Da die führenden Vertreter der lokalen Gaswirtschaft durchaus die
Notwendigkeit erkannten, insbesondere veraltete Gaswerke zu modernisieren
und die Gaserzeugung kleiner Anlagen zusammenzufassen, um
ihre Position auf dem Energiesektor zu behaupten, sie sich aber andererseits
nicht vollständig von einer Versorgung durch die Kohlezechen
abhängig machen wollten, brachten sie verschiedene Kompromisslösungen
ins Spiel.
Am stärksten an der Erhaltung des Status-Quo orientierten sich Vorschläge,
in den reviernahen Gebieten das Kokereigas lediglich zum
Ausgleich von Bedarfsspitzen einzusetzen. Eine solche Lösung hätte
jedoch aufgrund des hohen Kapitalbedarfs von Hochdruckleitungen
wenig Sinn gemacht und sich unter diesen Umständen kein Gasversorgungsunternehmen
bereit gefunden, Kokereigas anzudienen.45
Weiter gingen Gedankenspiele, der geschlossenen Gruppe der Kokereigaslieferanten
eine geschlossene Gruppe von Kokereigasbeziehern
gegenüberzustellen. Als wirtschaftliche Gegenmacht hätten sich bei einer
solchen Konstellation die Spielräume bei Vertragsverhandlungen
wesentlich vergrößert. Eine solche Strategie erübrigte sich jedoch insofern,
als die Interessen der einzelnen Gemeinden, vor allem die von
kleineren Gemeinden und Großstädten differierten und somit eine
einheitliche Interessenvertretung in der Praxis kaum existierte. Im
Rheinland scheiterte beispielsweise die Gründung einer kommunalen
Gasbezugsgesellschaft am Widerstand der Großstädte. Während die
Großstädte mit ihren hohen Absatzmengen günstige Bezugspreise
durchzusetzen hofften, spielten die ländlichen Gemeinden mit ihrem
geringen Gasverbrauch in den strategischen Plänen der Ruhrkohlenzechen
nur eine untergeordnete Rolle.46 47 Vor diesem Hintergrund erklären
sich auch Vorschläge, die sich für eine Interessengemeinschaft zwischen
Kohlenzechen und kommunalen Großgaswerken zu Lasten kleiner,
wenig rentabler Gaswerke stark machten. Nach Stilllegung der
Kleingaswerke sollte die Produktionsgemeinschaft der Großerzeuger
die Versorgung bestimmter Gebiete übernehmen: "Dabei wird beiden
Teilen Rechnung getragen. Die kommunalen Großgaswerke werden voll beschäftigt
und die Kohlenzechen werden im Verhältnis der frei werdenden Gasmengen an der
Gaswirtschaft beteiligt"V Derartige Vorschläge, die eine gütliche Einigung
44 Bunte (1927), S. 67
4-^ Stellvertretend Nübling (1929), S. 1891
46 Vgl. Heukeshoven (1928), S. 93
47 Vgl. Nelles (1930), S. 119
254