Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

ständigkeit  kleiner  Gasversorgungen  bleibt  also  gleich,  ja  unter  Umständen  sicherer,
wenn  ihnen  gleiches  Gas  frei  Behälter  %um  gleichen  Preise  geliefert  werden  kann,  %u
dem  sie  selbst  erzeugen  “44
Da  die  führenden  Vertreter  der  lokalen  Gaswirtschaft  durchaus  die
Notwendigkeit  erkannten,  insbesondere  veraltete  Gaswerke  zu  modernisieren
  und  die  Gaserzeugung  kleiner  Anlagen  zusammenzufassen,  um
ihre  Position  auf  dem  Energiesektor  zu  behaupten,  sie  sich  aber  andererseits
  nicht  vollständig  von  einer  Versorgung  durch  die  Kohlezechen
abhängig  machen  wollten,  brachten  sie  verschiedene  Kompromisslösungen
  ins  Spiel.
Am  stärksten  an  der  Erhaltung  des  Status-Quo  orientierten  sich  Vorschläge,
  in  den  reviernahen  Gebieten  das  Kokereigas  lediglich  zum
Ausgleich  von  Bedarfsspitzen  einzusetzen.  Eine  solche  Lösung  hätte
jedoch  aufgrund  des  hohen  Kapitalbedarfs  von  Hochdruckleitungen
wenig  Sinn  gemacht  und  sich  unter  diesen  Umständen  kein  Gasversorgungsunternehmen
  bereit  gefunden,  Kokereigas  anzudienen.45
Weiter  gingen  Gedankenspiele,  der  geschlossenen  Gruppe  der  Kokereigaslieferanten
  eine  geschlossene  Gruppe  von  Kokereigasbeziehern
gegenüberzustellen.  Als  wirtschaftliche  Gegenmacht  hätten  sich  bei  einer
  solchen  Konstellation  die  Spielräume  bei  Vertragsverhandlungen
wesentlich  vergrößert.  Eine  solche  Strategie  erübrigte  sich  jedoch  insofern,
  als  die  Interessen  der  einzelnen  Gemeinden,  vor  allem  die  von
kleineren  Gemeinden  und  Großstädten  differierten  und  somit  eine
einheitliche  Interessenvertretung  in  der  Praxis  kaum  existierte.  Im
Rheinland  scheiterte  beispielsweise  die  Gründung  einer  kommunalen
Gasbezugsgesellschaft  am  Widerstand  der  Großstädte.  Während  die
Großstädte  mit  ihren  hohen  Absatzmengen  günstige  Bezugspreise
durchzusetzen  hofften,  spielten  die  ländlichen  Gemeinden  mit  ihrem
geringen  Gasverbrauch  in  den  strategischen  Plänen  der  Ruhrkohlenzechen
  nur  eine  untergeordnete  Rolle.46 47  Vor  diesem  Hintergrund  erklären
sich  auch  Vorschläge,  die  sich  für  eine  Interessengemeinschaft  zwischen
  Kohlenzechen  und  kommunalen  Großgaswerken  zu  Lasten  kleiner,
  wenig  rentabler  Gaswerke  stark  machten.  Nach  Stilllegung  der
Kleingaswerke  sollte  die  Produktionsgemeinschaft  der  Großerzeuger
die  Versorgung  bestimmter  Gebiete  übernehmen:  "Dabei  wird  beiden
Teilen  Rechnung  getragen.  Die  kommunalen  Großgaswerke  werden  voll  beschäftigt
und  die  Kohlenzechen  werden  im  Verhältnis  der  frei  werdenden  Gasmengen  an  der
Gaswirtschaft  beteiligt"V  Derartige  Vorschläge,  die  eine  gütliche  Einigung
44  Bunte  (1927),  S.  67
4-^  Stellvertretend  Nübling  (1929),  S.  1891
46  Vgl.  Heukeshoven  (1928),  S.  93
47  Vgl.  Nelles  (1930),  S.  119

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