Gasgesellschaften als Zwischenhändler den Großteil des Gewinnes ab.
Ähnliche Befürchtungen wie für die Gaspreise galten für die Kokslieferungen.
Nach Aufgabe der Eigenerzeugung mussten die Städte den
Koks von den Ruhrzechen beziehen; sie konnten auch hier monopolistische
Preise nicht ausschließen, da die Konkurrenz durch den Gaskoks
entfallen wäre.42
Weit auseinander gingen die Meinungen auch über die Arbeitsplatzeffekte
beim Übergang zu einer Kokereigasversorgung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit
konnten Arbeitsplätze in den Kohlenrevieren gesichert
werden, doch dem standen Arbeitsplatzverluste zwischen 25.000 und
60.000 in den örtlichen Gaswerken gegenüber.43 Wenig stichhaltig war
hingegen das Argument der AfK, dass infolge der prognostizierten Absatzsteigerung
der überwiegende Teil der Arbeitsplätze für die dann
notwendigen Installations- und Umstellungsarbeiten gesichert werden
könnte.
Versucht man die Einschätzungen der kommunalen Vertreter näher zu
hinterfragen, fällt eine generelle Beurteilung schwer. Gerade in den
größeren Städten waren die Gaswerke längst als Aktiengesellschaften
oder Regiebetriebe aus der städtischen Verwaltung ausgegliedert und
somit vielfach dem unmittelbaren politischen Zugriff entzogen. Demgegenüber
hatte sich gerade in den kleineren Ortschaften die Eingliederung
der Eigenbetriebe in den Verwaltungsapparat nicht unbedingt
bewährt. In zahlreichen Fällen konnten die Werke nicht oder nur mit
großer zeitlicher Verzögerung auf energiepolitische Veränderungen reagieren.
Die politische Einflussmöglichkeit behinderte betriebswirtschaftliche
und technische Innovationen, etwa die schnelle Anpassung
der Gaspreise. In Hinblick auf die Kohlebelieferung und den erforderlichen
Rückgriff auf die Ruhrkohle setzten sich die meisten Gaswerke
zudem längst der Preispolitik der Zechen aus. Nur in Norddeutschland
bestand zwischen Ruhrkohlen und englischen Kohlen eine offene
Konkurrenz. Ähnliches galt für die Nebenproduktenmärkte für Koks,
Teer und Ammoniak, die allesamt die Ruhrkokereien beherrschten.
Wenig Plausibilität besitzt auch die Vermutung, dass der Kokereigasbezug
zwangsläufig eine Verminderung städtischer Einnahmen mit sich
bringen musste. "Ob die kleinen Gaswerke Kohlen oder Gas begehen, ist für die
wirtschaftliche Selbständigkeit ziemlich belanglos. Das Geschäft machen die kleinen
Werke nicht in der Gaserzeugung; da sie den IKebenproduktenmarkt nicht beherrschen,
sondern bei der Gasverteilung und im Gasabsatz. Die wirtschaftliche Selb-42
Vgl. Verband (1928), S. 28; Merkel (1928), S. 494; Elsas (1928), S. 773
4^ Vgl. Winkeier (1926), S. 1130; Jakob (1927), S. 256; auch: Frankfurter Tagespost
vom 22.12.1926: Gasversorgung Deutschlands durch die Ruhrzechen oder durch die
örtlichen Gaswerke?
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