Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

einer  Lieferung  von  500  Mio.  Kubikmeter  und  einer  Entfernung  bis  zu
450  Kilometern  auf  1,7  Pfg.  pro  Kubikmeter  belaufen.31
Wie  das  Angebot  zeigt,  bildeten  die  Transportkosten  des  Kokereigases
einen  beträchtlichen  Kostenfaktor,  der  u.U.  bis  zu  40  Prozent  der  gesamten
  Bezugskosten  ausmachen  konnte.  Da  in  Deutschland  bis  Mitte
der  20er-Jahre  noch  keinerlei  Erfahrungen  mit  dem  Bau  von  Hochdruckleitungen
  über  mehrere  hundert  Kilometer  Vorlagen,  hingen  die
Berechnungen  auch  in  diesem  Fall  von  den  jeweiligen  Interessen  ab.
Während  in  der  Gaswirtschaft  anfangs  die  Transportkosten  für  Gas  für
eine  Hochdruckleitung  näherungsweise  bei  einem  Pfennig  pro  Kubikmeter
  und  Jahr  auf  300  Kilometer  lagen,  stellte  sich  im  Verlaufe  weiterer
  Untersuchungen  heraus,  dass  auch  die  Höhe  der  Transportkosten
von  zahlreichen  Faktoren  abhing:  den  Baukosten,  dem  Leitungsdurchmesser,
  dem  Anfangsdruck  und  generell  den  Kompressionskosten,
  den  Benutzungsstunden,  der  Entfernung  und  dem  Kapitaldienst.32
Auf  alle  Fälle  lagen  nach  Einschätzung  der  AfK  die  Kosten  für  den
Gastransport  unter  den  Kosten  der  Beförderung  von  Kohlen  per
Bahn.33  Die  Gegenseite  bestritt  solche  Angaben.  Gerade  auf  größere
Distanzen,  wie  sie  auch  den  Plänen  der  AfK  zugrunde  lagen,  müsse  mit
Leitungskosten  von  2,5  Pfg.  pro  Kubikmeter  gerechnet  werden.34  Kosten
  von  unter  zwei  Pfg.  seien  nur  zu  erreichen,  wenn  auf  einen  Schlag
sämtliche  Gaswerke  stillgelegt  und  durch  die  entsprechende  Leitung
zwei  Mrd.  Gas  fließen  würden.  Nach  Angaben  der  Reichsbahn  überstiegen
  außerdem  die  Kosten  für  den  Gastransport  diejenigen  des
Kohlentransportes.35

31  Vgl.  Bolz  (1927  a),  S.  7;  Bolz  (1927  b),  S.  279;  Elsas  (1928),  S.  771
33  Starke  bezifferte  etwa  1924  die  Förderkosten  für  eine  300  Kilometer  lange  Strecke
bei  8.760  Benutzungsstunden,  12  Grad  Celsius  und  760  mm-Wassersäule  auf  einen
Pfg.  pro  Kubikmeter,  bei  halber  Belastung  der  Leitung  stiegen  die  Kosten  auf  1,3  Pfg.;
vgl.  Starke  (1924),  S.  225;  Häringslack  (1927),  S.  54  ff.
33  Vgl.  Aktiengesellschaft  (1927),  S.  34;  selbst  unter  Einrechnung  des  nach  Stilllegung
der  Gaswerke  notwendigen  Transportes  von  Zechenkoks  zu  den  Verbrauchsstellen  sei
es  günstiger,  Gas  als  Kohle  zu  transportieren;  vgl.  auch  Jakob  (1927),  S.  256
3^  Stellvertretend  Marschak  (1927),  S.  126;  Alexander  (1927)  schätzt  die  Kosten  für
den  Transport  von  einer  Mrd.  Kubikmeter  Kokereigas  zwischen  dem  Ruhrgebiet  und
Berlin  auf  0,5  Pfg.  pro  Kubikmeter,  bei  einer  Halbierung  der  Bezugsmengen  müsse
aber  mit  doppelt  so  hohen  Kosten  gerechnet  werden.
33  Vgl.  Deutscher  Verein  (1927),  S.  17:  nach  den  Berechnungen  des  Deutschen  Vereins
  von  Gas-  und  Wasserfachmännern  durften  die  Transportkosten  des  Gases  0,99
Pfg.  nicht  übersteigen,  wenn  Gleichstand  mit  den  Kohletransportkosten  erreicht  werden
  sollte;  in  Anlehnung  hieran  Verband  (1928),  S.  22  ff.;  lt.  Tecklenburg  (1927),  S.
587  f.  ist  es  fragwürdig,  beim  Gastransport  mit  Selbstkosten  zu  rechnen,  bei  den
Kohlelieferungen  aber  Frachtsätze  (Tarife)  anzusetzen.  Nach  Berechnungen  von  Heukeshoven
  (1928),  S.  86  ist  nur  für  Großgaswerke  in  Hinblick  auf  die  Transportauf-249


            
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