Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

während  die  20  größten  kommunalen  Gasanstalten  über  die  Hälfte  der
Erzeugung  auf  sich  vereinigten.28  Unterscheidet  man  die  Gaswerke  in
Klein-,  Mittel-  und  Großbetriebe,  wiesen  die  Kleinbetriebe  in  Hinsicht
auf  die  wesentlichen  betriebswirtschaftlichen  Indikatoren  wie  Jahresleistung,
  Gasausbeute  pro  Tonne  Steinkohle,  Gasabgabe  pro  Kopf  der
Bevölkerung,  technischer  Modernisierungsgrad  deutlich  schlechtere
Werte  als  die  Groß-  und  Mittelbetriebe  auf.  Nicht  nur  absatzseitig,  auch
kostenseitig  verzeichneten  die  Kleinbetriebe  Nachteile.  In  den  drei
Kostenstellen,  den  Anlagekosten,  den  Erzeugungskosten  und  den
Fortleitungskosten  zeigte  sich  die  Überlegenheit  größerer  Einheiten.
Dies  hing  neben  den  Größeneffekten  mit  dem  Mechanisierungsgrad
des  Gaswerksbetriebes,  der  technischen  Entwicklung  der  Erzeugungsanlagen,
  aber  auch  den  Beschaffungskosten  für  die  Kohle  zusammen.29
Infolgedessen  wiesen  auch  die  Selbstkosten  eine  erhebliche  Spannbreite
auf:  Im  Extremfall  schwankten  sie  zwischen  3,26  und  11,39  Pfg.  je  Kubikmeter.
  Andere  Berechnungen  gingen  von  einer  Spannbreite  der
Selbstkosten  (Nettoselbstkosten  incl.  Zins-  und  Abschreibungskosten)
zwischen  8,92  Pfg.  und  13,17  Pfg.  -  bei  Gaswerken  mit  einer  Jahreserzeugung
  von  unter  einer  Mio.  Kubikmeter  -  aus.30
Um  weiteren  Spekulationen  über  Kosten  und  Preise  des  Ferngases  den
Boden  zu  entziehen,  unterbreitete  die  AfK  im  Juli  1927  dem  Deutschen
Städtetag  ein  konkretes  Angebot.  Danach  setzte  sich  der  Bezugspreis
für  Kokereigas  aus  einem  von  einem  Mio.  bis  zu  38  Mio.  Kubikmeter
Jahresabnahme  gestaffelten  Gastarif  zwischen  3,8  und  2,2  Pfg.  pro
Kubikmeter  und  dem  Preis  für  den  Gastransport  zusammen.  Derselbe
sollte  sich  beispielsweise  bei  Lieferung  von  250  Mio.  Kubikmeter  im
Jahr  bei  einer  Entfernung  von  100  Kilometern  auf  0,8  Pfg.  und  bei

28  Vgl.  Nelles  (1930),  S.  12
29  Vgl.  Häringslack  (1927),  S.  27  ff.;  Hertz  (1929),  S.  17  ff.
Vgl.  Greineder  (1914),  S.  24;  Hertz  (1929),  S.  55;  unter  systematischen  Gesichtspunkten
  auch  Schäfer  (1932),  S.  17  ff.;  nach  einer  statistischen  Auswertung  von  Elvers
(1927),  S.  478  von  Gaswerken  mit  einer  Jahreserzeugung  zwischen  400.000  und  75
Mio.  Kubikmeter  ergaben  sich  folgende  Spannbreiten  bei  den  Einzelposten,  die  in  die
Berechnung  der  Selbstkosten  eingingen:
*  Kohlenkosten  und  Unterfeuerung
*  Betriebslöhne
*  Betriebsgehälter
*  Anteile  an  Generalunkosten
*  Kraft,  Wasser  und  Dampf
*  Ol,  Putzmaterial,  Reinigungsmasse
*  Unterhaltung  der  Anlagen

1,12  bis  4,00  Pfg.
1,00  bis  2,50  Pfg.
0,30  bis  0,80  Pfg.
0,10  bis  0,90  Pfg.
0,10  bis  0,64  Pfg.
0,06  bis  0,40  Pfg.
0,58  bis  2,15  Pfg.

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