Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

chen  des  Ruhrbergbaus  beteiligten,  betrug  das  Aktienkapital  der  Gesellschaft
  lediglich  169.000  Mark;  sie  fungierte  anfangs  als  reine  Studiengesellschaft.
  Jedoch  beschloss  die  Generalversammlung  schon  im  März
1927  eine  Erhöhung  des  Stammkapitals  auf  25  Mio.  Mark;  die  AfK  war
damit  in  der  Lage,  auch  operativ  tätig  zu  werden.  Schließlich  übernahm
sie  am  11.  März  1928  das  Gasleitungsnetz  des  RWE  gegen  Beteiligung
am  Aktienkapital.  Als  eine  von  den  Ruhrzechen  gegründete  Gesellschaft
  gehörte  es  zu  einer  ihrer  ersten  Aufgaben,  zahlreiche  industrielle
Großabnehmer,  an  denen  der  Ruhrbergbau  beteiligt  war,  als  Konzernwerke
  direkt  zu  beliefern.16  Noch  im  gleichen  Jahr,  am  30.  Mai  1928,  erfolgte
  die  Umbenennung  der  AfK  in  "Ruhrgas  Aktiengesellschaft".
Schon  im  Juni  1927,  unmittelbar  nach  der  Umwandlung  in  eine  Betriebsgesellschaft,
  veröffentlichte  die  AfK  eine  Denkschrift  unter  dem
Titel  "Deutsche  Großgasversorgung'zum  ersten  eine  Bestandsaufnahme  der
deutschen  Gaswirtschaft  aus  Sicht  der  AfK,  zum  zweiten  die  Konkretisierung
  ihrer  Ferngaspläne.  Aus  unterschiedlichen  Gründen  seien
die  deutschen  Gaswerke  nicht  mehr  in  der  Lage,  den  Gasabsatz  ausweiten.
  Da  die  Erzeugung  von  3,2  Mrd.  Kubikmeter  Gas  -  die  Gesamterzeugung
  der  deutschen  Gaswerke  im  Jahre  1925  -  den  Anfall  von  vier
Mio.  Tonnen  Koks  mit  sich  brächte,  ginge  die  Steigerung  des  Gasabsatzes
  zwangsläufig  mit  der  Zunahme  der  Erzeugung  von  Koks  einher,
das  nur  mit  erheblichen  Preisnachlässen  gegenüber  dem  qualitativ  besseren
  Zechenkoks  abzusetzen  sei:  "Die  Gaswerke  befinden  sich  sozusagen  in
einer  wirtschaftlichen  "Koks-Gas-Schere"  und  sind  daher  aus  Rücksicht  auf  den
Koksabsatg  nicht  in  der  Gage,  die  Gaserzeugung  beliebig  gu  steigern.  Sie  können
die  Werbekraft  vorteilhaftester  Gaspreise  und  -tarife  gur  Stärkstmöglichen  Steigerung
  des  Gasverbrauches,  die  an  sich  im  Interesse  der  Haushaltungen  und  Gewerbetreibenden
  läge,  nicht  voll  entfalten,  weil  der  anfallende  Gaskoks  der  Ergeugung  eine
Grenge  setgt".1
Zudem  könnten  die  Gaswerke  in  den  meisten  Fällen  mit  einer  Zechengaslieferung
  wirtschaftlich  nicht  konkurrieren.  Da  der  Gaspreis  auch
aus  den  Erlösen  für  die  Nebenprodukte  resultiere,  habe  sich  der  Verfall
der  Kokspreise  auch  in  steigenden  Selbstkosten  der  kommunalen  Gaswerke
  niedergeschlagen.  Nicht  zuletzt  die  Größenunterschiede  der
Produktionseinheiten  brächten  erhebliche  Wettbewerbsvorteile  für  die
Kokereien.  Die  Kokereigasproduktion  eines  einzigen  Ofenblocks  einer
neuzeitlichen  Kokereianlage  überträfe  den  Gasbedarf  einer  Großstadt

16  Vgl.  Schillo  (1925),  S.  433;  Rosellen  (1925),  S.  171;  Pott  (1935),  S.  248;  25  Jahre
Ruhrgas  (1951),  S.  33;  Classen  (1958),  S.  132
^  Aktiengesellschaft  (1927),  S.  10

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