Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

und  1925  ergebnislos  verliefen,  wurde  das  Verfahren  durch  die  Kündigung
  des  Pachtvertrages  mit  der  GBG  am  26.  März  1926  hinfällig.254
Infolge  der  vertraglich  fixierten  Benachteiligung  der  Gemeinden  und
der  fehlenden  Transparenz  der  Geschäftsführung  der  GBG  hatte  sich
von  kommunaler  Seite  vor  allem  in  den  20er-Jahren  ein  starkes  Misstrauen
  gegenüber  der  GBG  breit  gemacht.  An  vielen  Konfliktpunkten
zeigten  sich  die  unterschiedlichen  Interessen  beiden  Seiten.  Während  es
der  GBG  darum  ging,  eine  optimale  Rentabilität  ihres  eingesetzten  Kapitals
  durch  Ausweitung  des  Gasabsatzes  zu  erzielen,  lag  den  Gemeinden
  an  möglichst  hohen  Pachteinnahmen,  Preisstabilität  und  einer  sicheren
  Versorgung.  Insbesondere  in  Krisenzeiten,  wie  sie  sich  im  Laufe
und  nach  dem  Ersten  Weltkrieg  einstellten,  kamen  diese  unterschiedlichen
  Auffassungen  zum  Tragen  und  gaben  den  Ausschlag,  dass  die
Gemeinden  ihre  Position  gegenüber  der  GBG  verbessern  wollten.
Als  ein  mögliches  Instrument  schlug  der  Ingenieur  Wellstein  dem  Sulzbacher
  Bürgermeister  schon  1921  die  Gründung  einer  Interessengemeinschaft
  mehrerer  Gemeinden  unter  Ausschaltung  der  GBG  vor:
"Mit  anderen  Worten:  das  jetzige  Versorgungsgebiet  der  GBG  muss  auch  in  Zukunft
  in  irgend  einer  Form  nach  gemeinwirtschaftlichen  Gesichtspunkten  bewirtschaftet
  werden,  durch  Zusammenschluss  betr.  Gemeinden  gu  einer  Interessengemeinschaft,
  unter  Ausschaltung  fremder  Betriebsgesellschaften.  Die  Gemeinden
übernehmen  den  Betrieb  wieder  selbst[".255
Auch  der  Völklinger  Bürgermeister  machte  sich  1922  im  Zuge  der
langwierigen  Auseinandersetzungen  mit  der  GBG  für  eine  Rekommunalisierung
  der  Gasversorgung  stark.  Es  müsse  Ziel  bleiben,  die  GBG
auszuschalten  und  die  Gasversorgung  auf  dem  Weg  der  Gründung  eines
  Zweckverbandes  zu  kommunalisieren.  Zu  diesem  Zweck  müsse
umgehend  ein  Liefervertrag  mit  der  Völklinger  Hütte  unter  Umgehung
der  GBG  abgeschlossen  werden.256
Als  zweite  Möglichkeit,  den  Einfluss  der  GBG  zu  begrenzen,  erwogen
mehrere  Gemeinden,  ihren  Pachtvertrag  nach  15  Jahren  zu  kündigen
oder  entscheidend  zu  modifizieren.  Dudweiler  hatte  die  Zusammenarbeit
  mittels  eines  Übergabevertrages  schon  1921  vorzeitig  beendet.  Die
Anlagen  kamen  zum  Buchwerte  von  1,6  Mio.  Mark  wieder  an  die  Gemeinde
  zurück.257  Auch  die  Gemeinde  Illingen  verlangte  1921  die

254  A  Stadtverband  Sbr.  G-S/74:  Bürgermeister  an  Vorsitzenden  des  Kreisausschusses
  vom  11.4.1926
255  LA  Sbr.  Dep.  Sulzbach  36/6:  Gutachten  vom  1.7.1921
256  A  Stadtverband  Sbr.  G-S/74:  Schreiben  an  Landrat  vom  6.6.1922
252  A  Stadtverband  Sbr.  G-S/3:  GBG  an  den  Kreisausschuß  des  Landkreises  Saarbrücken
  vom  6.8.1930

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