Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

sen  Sachverhalt  hinwies,  die  GBG  dennoch  ihre  Forderungen  nicht
herabsetzte,  beschloss  der  Bürgermeistereirat  in  eigener  Verantwortung
die  Gaspreise  ab  1.  August  1920  von  zwei  auf  1,50  Mark  zu  senken.247
Die  GBG  rief  daraufhin  das  Schiedsgericht  an.  Die  Bürgermeisterei
schaltete  ihrerseits  den  Sachverständigen  [ohannes  Brand  ein,  der
ebenfalls  die  Forderungen  der  GBG  für  überhöht  hielt.248  Das
Schiedsgericht  gab  zwar  der  GBG  Recht,  die  Gaspreise  lagen  ab  September
  1920  wieder  bei  zwei  Mark,  doch  stand  es  um  das  Vertrauensverhältnis
  zwischen  beiden  Parteien  nicht  mehr  allzu  gut.
Auch  in  Völklingen  spitzte  sich  der  Konflikt  zwischen  der  Gemeinde
und  GBG  schon  im  Verlaufe  des  Ersten  Weltkrieges  zu.  Umstritten
blieben  hier  die  langen  Sperrzeiten,  die  das  Unternehmen  der  Gemeinde
  auferlegte  und  trotzdem  eine  Reduzierung  der  Pachtsumme
verlangte.  Zudem  stellte  sich  anhand  eines  Schreibens  des  Reichskommissars
  für  die  Kohlenverteilung  heraus,  dass  die  Beschränkungen  der
Gaszufuhr  von  der  Völklinger  Hütte  unbegründet  erfolgten,  weil  das
Unternehmen  mit  dieser  Maßnahme  ein  höheres  Kohlenkontingent
erhalten  wollte.  Nach  Kriegsende  geriet  die  kommunale  Gasversorgung
in  den  Sog  der  Diskussion  über  das  Für  und  Wider  der  Sozialisierung
und  Privatisierung  kommunaler  Betriebe.  Die  Auseinandersetzung  kumulierte
  in  einer  öffentlichen  Versammlung  mit  1.500  Anwesenden,  zu
der  die  Vereinigte  Kommunistische  Partei  am  13.  Januar  1921  in  den
großen  Saal  der  Turnhalle  in  Völklingen  einlud.  Verschiedene  Redner
warfen  dort  der  Leitung  des  Gaswerks  sowie  dem  örtlichen  Amtsbaumeister
  vor,  der  Gemeinde  und  damit  den  "Steuersäckel  der  Bürger"  auf
das  Schwerste  geschadet  zu  haben.  Die  Verpachtung  des  Gaswerks  sei
alleine  das  Ergebnis  der  systematischen  Arbeit  des  Großkapitals  gewesen,
  die  Gemeinde  habe  ihre  beste  Einnahmequelle  ohne  Not  hergegeben.
  Die  Arbeit  der  sozialistischen  Mehrheit  im  Gemeinderat  habe  eine
Reihe  von  Unregelmäßigkeiten  ans  Licht  gebracht:  Gussrohre  seien
ohne  Wissen  der  Gemeinde  verkauft  worden,  der  Hauptgasmesser  sei
manipuliert  und  deshalb  die  Gasbezüge  falsch  abgerechnet  worden.
Das  Betriebspersonal  habe  Geld  erhalten,  um  die  Unregelmäßigkeiten
mitzutragen.  Schließlich  seien  Instandhaltungskosten  entgegen  den

Aufstellung  nach  LA  Sbr.  Dep.  111.  673.  Brandt  an  Bürgermeisteramt  vom  16.9.1920
247 LA  Sbr.  Dep.  111.  673:  Sitzung  des  Bürgermeistereirates
24%  LA  Sbr.  Dep.  111.  673:  Brief  an  das  Bürgermeisteramt  vom  16.9.1920

Bous
Brebach
Fraulautern
Saarlouis

1,82  Mk.
1,25  Mk.
1,82  Mk.
1,82  Mk.

226
            
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