Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

richtete  sich  nach  dem  Neuwert,  abzüglich  der  Abschreibungen  von  einem
  Prozent  (Rohrnetz),  zwei  Prozent  (Bauten,  Gasbehälter,  Apparate)
oder  höchstens  fünf  Prozent  (Hausinstallationen,  Gasuhren,  Automaten).
  Die  in  Anschlag  gebrachten  Abschreibungssätze  entsprachen
somit  in  keiner  Weise  den  üblichen  Sätzen  und  erhöhten  den  möglichen
Rückkaufpreis  zu  Lasten  der  Gemeinden.222
Sämtliche  Verträge  beinhalteten  einen  Passus,  wonach  das  Installationsgeschäft,
  also  das  Verlegen  der  Leitungen,  Gasmesser  und  das  Anschließen
  der  Gasgeräte  von  der  GBG  oder  von  mit  ihr  kooperierenden
Firmen  durchzuführen  seien.223 *  Diese  Regelung  versetzte  die  Gaswerke
nicht  nur  nicht  in  der  Lage,  eine  Gewinn  bringende  Installationsabteilung
  aufzubauen.  Vielmehr  setzte  sich  die  GBG  dem  Vorwurf  aus,  Sondergewinne
  einzustreichen.  Auch  den  örtlichen  Installationsfirmen
wurde  mit  dieser  Regelung  ein  lukrativer  Geschäftsbereich  verbaut.  So
beschwerte  sich  beispielsweise  die  Saarbrücker  Gasmesserfabrik  und
Installationsgesellschaft  bei  der  Gemeindeverwaltung  in  Sulzbach:  "Die
betreffenden  Gemeinden  müssen  sich  nämlich  verpflichten,  alle  pur  Betriebsführung
erforderlichen  Materialien  pp.  durch  die  GBG  gu  be  flehen,  so  auch  die  Gasmesser.
Da  nun  die  Firma  Kromschröder  Aktiengesellschaft  Osnabrück  Gesellschafterin  der
GBG  ist  und  eine  Filialwerkstätte  in  Saarlouis  unterhält,  ist  diese  Firma  dann
ausschließlich  Ueferant  der  Gasmesser  in  den  betreffenden  Gemeinden.  Die  Preise,
welche  aber  die  betreffende  Gemeinde  auf  ihr  Baukonto  einst  der  GBG  für  die  Ueferung
  der  Gasmesser  fahlen  muss,  sind  aber  derartig  daß  wir  es  für  richtig  gehalten
haben,  Sie  einmal  auf  diese  Mißstände  aufmerksam  gu  machen".224  Ein  wesentlicher
  Grund  für  die  Verpachtung  der  Gaswerke  bestand  wie  schon  erwähnt
  in  der  Hoffnung,  die  kommunalen  Verwaltungen  von  der  kaufmännischen
  Unterhaltung  der  Gaswerke  zu  befreien  und  gleichzeitig
eine  garantierte  Einnahme  zu  erhalten.  Zwar  warb  die  GBG  in  Selbstdarstellung
  damit,  sie  sei  "keine  Gesellschaft,  welche  Gewinn  bringen  soll.  Dieselbe
  ist  hauptsächlich  deswegen  gebildet,  das  Bestreben,  auch  für  kleinere  Städte
Gasanstalten  pu  bauen,  -gu  Unterstufen'225  Dennoch  ging  es  ihr  selbstverständlich
  dämm,  hohe  Überschüsse  aus  den  Pacht-  und  Konzessionsverträgen
  zu  erzielen.

222  A  Stadeverband  Sbr.  G-S/74:  Pachtvertrag  vom  23./30.9.1912
223  So  hieß  es  z.B.  im  Vertrag  mit  der  Bürgermeisterei  Schwalbach:  "Ebenso  verlegt
und  liefert  die  Unternehmerin  die  Steigleitungen,  aufsteigenden  Röhren  vor  den  Gasmessern
  und  alle  Röhren  in  den  Wohnhäusern,  incl.  Aufstellung  der  Gasmesser  ausschließlich,
  aber  auf  Kosten  der  Gaskonsumenten";  StA  Sls.  XLVIII  8  FRA  NB:  Vertrag
  vom  6.2.1906
22^  LA  Sbr.  Dep.  Sulzbach  36/9:  Abschrift  vom  24.7.1925
22ö  jf(A,  48.  Jg.  (1905),  Nr.  44:  Gasanstalts-Betriebsgesellschaft

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