fahrbar ist? Ist es die Angst vor den furchtbaren Wirkungen eines unkontrollierten
Entzündens des Stoffes, die gerade an der Saar seit der
tragischen Gasometerexplosion im Februar 1933 in Neunkirchen noch
im kollektiven Gedächtnis verankert sind? Oder ist es der Tatsache geschuldet,
dass sich die Gaswirtschaft etwa im Gegensatz zur Elektrizitätswirtschaft
mit deren Verbindung zur Atomindustrie den Ruf einer
modernen und zukunftsorientierten Branche verschafft hat?
Sehr lange hat die Gaswirtschaft im 19. und auch im angehenden 20.
Jahrhundert gebraucht, die Vorbehalte von Haushalten und Industriebetrieben
gegenüber dem Energieträger abzubauen. Immer wieder zurückgeworfen
durch kleinere und größere Unfälle, verfolgte ein Großteil
der Literatur und des zeitgenössischen Schrifttums bis weit ins 20.
Jahrhundert nichts anderes, als die unterschiedlichen Produktionsverfahren
der Gasgewinnung verständlich zu machen,2 Ängste abzubauen
und damit die gesellschaftliche Akzeptanz des Energieträgers zu
verbessern,3 dem Energieträger zusätzliche Anwendungsbereiche (Gasmotoren,
Kochen, Heizen) zu erschließen4 und den Rang des Leuchtgases
gegenüber der aufkommenden Elektrizität zu verteidigen.5 Folglich
legen diese Darstellungen ihren Schwerpunkt auf technische Aspekte,
wohingegen wirtschaftliche und rechtliche Zusammenhänge oftmals
außen vor bleiben.6
Selbst Johannes Körtings Standardwerk über die Gasversorgung in
Deutschland, das "Handbuch der deutschen Gasindustrie" aus den
60er-Jahren, basiert auf einem rein technikgeschichtlichen Ansatz.
Während Körting etwa der Darstellung unterschiedlicher Verfahren der
Gasbereitung, des Gastransports und der Gasspeicherung sowie der
^ Hierzu zählen Accum (1816), Rutter (1835), Blochmann (1871), Blochmann (1873),
Küchler (1878)
3 Vgl. Böhm (1905), Brüsch (1906), Kuhn (1908)
4 Hier sind zu nennen bzgl. Gasmaschinen von Ihering (1907) und Schöttler (1909);
bzgl. Gas als Wärmequelle Schäfer (1900) sowie allgemein Koschmieder (1906) und
Sander (1914)
3 Beispielsweise Niemann (1897), Schäfer (1900), Böhm (1905), von Ihering (1907)
und Sander (1914)
^ Das gilt nicht für Schilling's "Handbuch der Steinkohlengas-Beleuchtung" (1879)
und Jlgen's "Die Gasindustrie der Gegenwart" (1874); auch die verschiedenen statistischen
Zusammenstellungen über die lokale Gaswirtschaft wie Oechelhäuser (1859),
Schilling (1868), Schilling (1877), Schilling (1896) und Schäfer (1896) berücksichtigen
auch betriebswirtschaftliche und betriebstechnische Gesichtspunkte.
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