Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

das Gaswerk Dudweiler 1911 übernommen und modernisiert hatte, 
legte sie zunächst der Gemeinde Sulzbach nahe, ihr eigenes Gaswerk 
stillzulegen und Steinkohlengas aus Dudweiler zu beziehen. Dafür sollte 
die Gemeinde eine Pacht von 50.000 Mark jährlich erhalten.178 Die 
GBG zog ihr Angebot jedoch kurze Zeit später zurück. 
Mit ihren Angeboten, die kommunalen Gaswerke als Pachtbetriebe zu 
übernehmen, rannte die GBG bei den Gemeindeverwaltungen offene 
Türen ein. Entstanden die Gaswerke wie andere Versorgungsbetriebe 
um die Jahrhundertwende in einer Phase der kommunalwirtschaftlichen 
Euphorie, wuchsen die Gaswerke gerade in den kleineren Ortschaften 
den Gemeindeverwaltungen über den Kopf. Einige Gaswerke wie die 
in Saarlouis und Sulzbach entsprachen fast zwei Jahrzehnte nach ihrer 
Errichtung längst nicht mehr dem neusten technischen Standard. 
Infolge des rasanten Bevölkerungszuwachses, den insbesondere die 
Bergbau- und Hüttengemeinden in den Jahren vor dem Ersten 
Weltkrieg erlebten, erwiesen sich die meisten Gaswerke schlichtweg als 
zu klein. Der unausweichliche Neubau und die gmndlegende Moderni¬ 
sierung hätten die meisten Gemeinden in ihrem finanziellen Hand¬ 
lungsspielraum auf lange Zeit erheblich eingeschränkt; ein Risiko, dem 
gerade die Gemeindeverwaltungen durch die Verpachtung der Be¬ 
triebsanlagen entgehen wollten. Zudem zeigten sich manche Verwal¬ 
tungen mit der Eührung und kontinuierlichen Erweiterung der 
Gaswerke überfordert. Anstatt den Kreis der Verbraucher durch aktive 
Werbemaßnahmen und preispolitische Anreize zu erweitern und den 
Gaskonsum auf die zukunftsträchtigen Absatzfelder "Heizen" und 
"Kochen" auszudehnen, betrieben die kommunalen Gaswerke meistens 
eine vorsichtige, manchmal sogar restriktive Politik. 
Damit zusammenhängend bewährten sich die Gasanstalten längst nicht 
immer als kommunale Einnahmequellen, in einigen Fällen gefährdeten 
sie regelrecht den kommunalen Finanzhaushalt, weil der Kämmerer 
keine Rücklagen für Erneuerungen und Erweiterungen bildete. In die¬ 
ser Situation traf die GBG keineswegs auf eine breite Front von Be¬ 
fürwortern der kommunalwirtschaftlichen Betätigung der Gemeinden. 
Vor allem in den kleineren Gemeinden wurde die Frage der kommu¬ 
nalen Einnahmeerzielung, aber auch der Aspekt der Versorgungssi¬ 
cherheit nicht ideologisch, sondern ganz pragmatisch diskutiert. Den 
Ausschlag gab einzig und allein, welche Summe im Gemeindehaushalt 
zur Bestreitung der sonstigen öffentlichen Aufgaben zur Verfügung 
stand und nicht, woher diese Mittel stammten. Da die GBG sehr ge¬ 
LA Sbr. Dep. SuEbach Fach 36 Nr. 6: Schreiben der GBG vom 28.3.1911 
199
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.