bruch der Städte in die Moderne.* 1 Mitunter dominieren sie selbst heute
noch das Bild einer Stadt. Auch als Energieträger besaß das Leuchtgas
im Verlauf der Industrialisierung eine grundlegende Aufgabe. In der
technikgeschichtlichen Chronologie zwischen Dampfkraft und Elektrizität
angesiedelt, potenzierte es die energetischen Möglichkeiten der
Dampfmaschine, lange bevor sich die Elektrizität der betrieblichen
Einsatzfelder bemächtigte. So wie die flächendeckende Verbreitung des
Leuchtgases die Industrialisierung etwa durch verbesserte Transportmöglichkeiten
und Abbauverfahren der Steinkohle zur Voraussetzung
hatte, schuf der neue Energieträger seinerseits erst die Basis, die Arbeits-
und Lebensverhältnisse grundlegend umzugestalten.
Zum anderen stellt die Gasversorgung die Grundlage kommunalen
Wirtschaftens im modernen Sinne dar. Noch ehe die Städte Wasserwerke,
Elektrizitätswerke und Schlachthöfe unterhielten, richteten sie
selbst oder über Dritte Gaswerke ein und boten den Gemeindemitgliedern
die öffentliche Dienstleistung "Beleuchtung" als Teil der kommunalen
Daseinsvorsorge an. Am Übergang von der alten Ol- oder Petroleumbeleuchtung
zur modernen elektrischen Beleuchtung bildet das
Gaslicht zugleich den Wendepunkt von der dezentralen, auf die einzelnen
autarken Haushalte beschränkten "Inselversorgung" zur zentralen
und damit leitungsgebundenen Energieversorgung. Zusammen mit den
anderen kommunalen Betrieben löste die Gasversorgung im weiteren
einen Modernisierungsschub der öffentlichen Verwaltung aus und bildete
zum Beispiel über eigene Haushaltspläne die Grundlage für die
moderne kommunale Haushaltsführung.
In Anbetracht ihrer Bedeutung für die Industriekultur, für die Entwicklung
des kommunalen Versorgungswesens und als bedeutender
Energieträger fristet die Gaswirtschaft innerhalb der wissenschaftlichen
Forschung nach wie vor ein Schattendasein. Weder in der industrieund
technikgeschichtlichen Literatur, noch in den Darstellungen über
das kommunale Versorgungswesen und die Energiewirtschaft kommt
der Gaswirtschaft eine auch nur annähernd gleichrangige Stellung wie
etwa der Wasserversorgung, der Elektrizitätswirtschaft oder den Montanindustrien
zu. Mag es daran liegen, dass Gas unsichtbar, nicht zu
fühlen und oftmals nicht zu riechen, mit unseren Sinnen somit nicht er¬A
1 Erwähnt seien an dieser Stelle nur die Gasometer in Stuttgart-Cannstadt, Berlin-Schöneberg,
Saarbrücken und Oberhausen.
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