Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

sehen.  Ihr  Interesse  richtete  sich  deshalb  auf  die  Bürgermeisterei
Schwalbach,  wo  seit  1899  mehrfach  Versuche  gescheitert  waren,  für  die
beiden  Bürgermeistereien  Schwalbach  und  Differten  mit  insgesamt
20.000 Einwohnern  eine  Gasversorgung  aufzubauen.169  Da  die  Kosten
für  die  Bedienung  und  Unterhaltung  der  insgesamt  64  Petroleumlaternen
  erheblich  ins  Gewicht  fielen,  startete  der  Bouser  Bürgermeister
Wilhelm  Kleber  1906  einen  neuerlichen  Versuch.170  Zunächst  bemühte
er  sich  mit  dem  Ingenieur  Wilhelm  Weis,  der  die  Stelle  des  Gaswerks-Direktors
  in  Marten-Kirchlinde  in  der  Nähe  von  Dortmund  begleitete,
eine  Einigung  zu  erzielen.  Dieser  erhielt  den  Vorzug  gegenüber  der
BAMAG,  die  sich  ebenfalls  um  das  Projekt  bemühte.  Für  die  beiden
ersten  Geschäftsjahre  verlangte  die  Gemeinde  keine  Abgabe,  ab  dem
dritten  Geschäftsjahr  sollte  der  Unternehmer  aber  für  jeden  Kubikmeter
  verkauften  Gases  eine  Abgabe  von  ein  bis  zwei  Pfg.  -  falls  der  Gasabsatz
  über  500.000  Kubikmeter  jährlich  ansteigen  sollte  -  zahlen.171
Für  eine  solche  Vergütung  zeigte  Weis  wenig  Verständnis,  am  19.  Februar
  1906  sagte  er  telegrafisch  die  Zusammenarbeit  ab.
ln  einer  eigens  einberufenen  Sondersitzung  am  21.  Februar  1906  erteilte
  die  Bürgermeistereiversammlung  deshalb  doch  der  BAMAG  die
Konzession  zur  Gasversorgung,  zum  Bau  einer  Gasanstalt  und  zur
Verlegung  sämtlicher  Leitungen.172  Der  vereinbarte  Gaspreis  lag  bei  16
1^9  jn  ¿er  Bürgermeisterei  Schwalbach,  bestehend  aus  den  Gemeinden  Bous,  Derlen,
Griesborn,  Knausholz,  Schwalbach,  Elm  und  Sprengen  bestanden  erstmals  1899
Pläne,  ein  Gaswerk  zu  errichten.  Angeblich  kaufte  eine  "Gesellschaft  vom  Rhein"  die
Bommersbacher  Mühle  für  175.000  Mark,  um  auf  dem  entsprechenden  Grundstück
eine  Gasanstalt  zu  errichten.  1901  scheiterte  das  Vorhaben,  die  Schwalbacher  Mühle
zu  einem  Elektrizitätswerk  umzurüsten,  um  daraus  die  benachbarten  Gemeinden  mit
Strom  zu  versorgen.  Nachdem  in  der  Nachbargemeinde  Wadgassen  im  lanuar  1903
die  Straßen  mit  Petroleumlaternen  beleuchtet  wurden,  beabsichtigten  die  Bürgermeister
  von  Schaffhausen  und  Bous,  Clemens  und  Kleber,  die  Errichtung  einer  Gasanstalt
  für  die  Ortschaften  Bous,  Wadgassen,  Hostenbach  und  Schaffhausen.  Da  sich
die  beteiligten  Gemeinden  aber  nicht  auf  einen  Standort  verständigen  konnten,  ging
jede  Gemeinde  zunächst  wieder  ihre  eigenen  Wege.  1904  reichte  Albert  Bolzmann  bei
der  Bürgermeistereiverwaltung  einen  Antrag  zur  Errichtung  eines  Gas-  und  Elektrizitätswerkes
  auf  der  Schwalbacher  Mühle  ein.  Der  Gemeinderat  versagte  jedoch  seine
Zustimmung.  Im  darauffolgenden  [ahr  1905  erwog  der  Ingenieur  Edmund  Wingert
aus  Metz  ein  Gaswerk  auf  der  Schwalbacher  Mühle  zu  bauen.  Der  Gemeinderat  erteilte
  ihm  zwar  die  Erlaubnis  zur  Vermessung  des  Grundstücks,  aber  auch  dieser  Anlauf
  blieb  im  Planungsstadium  stecken;  vgl.  JfG,  42.  jg.  (1899),  Nr.  20,  S.  328;  St.  Johanner
  Volksztg.  vom  12.3.1899;  BMF,  31.  Jg.  (1901),  Nr.  44,  S.  320;  Saarbrücker  Ztg.
vom  22.1.1903;  Gemeinde  Schwalbach:  Gemeinderatssitzungen  vom  27.6.1904  und
23.1.1905;  JfG,  49.  Jg.  (1906),  Nr.  15,  S.  350
1  Saar-Ztg.  vom  1.8.1938:  Das  Bußer  Gaswerk
171  StA  Sls.  NB  XLVIII  8  FRA:  Vertrag  vom  6.2.1906
1  ^  Gde.  Schwalbach:  Gemeinderatssitzung  vom  21.2.1906;  Kleber  (1913),  S.  68

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