30 Jahren das Recht offen stand, die Gasanstalten in kommunalen Besitz
zu übernehmen. Ursprünglich als Entlastung des kommunalen
Aufgabenfeldes gedacht, führten die Pachtverträge von daher meistens
ins genaue Gegenteil: zu langwierigen Konflikten zwischen Gemeindeverwaltungen
und Pachtunternehmen.
2. Die Gruppengasversorgung in der Saarregion und die Rolle der
Gasanstalt-Betriebsgesellschaft
Die Entwicklung der Gaswirtschaft im Saarrevier spiegelt auf engstem
Raum die Verhältnisse in anderen 'feilen Deutschlands wider. Bis 1905
gingen in der Region 17 lokale Gaswerke in Betrieb. Mit Ausnahme von
Dillingen, Ottweiler und Blieskastel verfügten zu diesem Zeitpunkt
sämtliche Städte sowie die meisten größeren Industriegemeinden über
eine Gasversorgung. Nicht nur Städte und Industriegemeinden, auch
zahlreiche Ortschaften in der Umgebung von Bergwerken, Hütten und
sonstigen Industriebetrieben erlebten eine rasante Bevölkerungszunahme,
ohne dass sie ihre Bewohner mit Gas versorgten. Gerade in
solchen Gemeinden versprach die Einführung von Gas vor allem zu
Koch- und Beleuchtungszwecken ein lohnendes Unterfangen zu sein.
Da sich die schon bestehenden lokalen Gaswerke i.d.R. nicht in der
Lage sahen, die Versorgung über ihren eigentlichen Hoheitsbereich
hinaus auszudehnen und zudem nicht über ausreichende finanzielle
Mittel verfügten, ein überörtliches Leitungsnetz aufzubauen, musste
eine eigenständige überörtliche Gesellschaft diesen Engpass auffangen.
Diese Funktion nahm in der Saarregion die GBG wahr.164 Sehr zur
Hilfe kam der Gesellschaft hierbei, dass sie über eine ihrer Muttergesellschaften,
die Berlin-Anhaitische Maschinenbau AG (BAMAG), über
gute Kontakte in die örtlichen Verwaltungen verfügte.165
Zu den bis dahin nicht versorgten Regionen, die als mögliche Absatzgebiete
der GBG in Frage kamen, zählten etwa die Gemeinden des
Köllertals, des Fischbachtals, Teile des Sulzbachtals, des oberen Saartals
und die Umlandgemeinden von Saarbrücken und Völklingen. Um den
Versorgungsbereich auf neue Gebiete auszudehnen, verfolgte die GBG
zwei unterschiedliche Strategien. Auf der einen Seite versuchte sie in
zentralen, logistisch günstig gelegenen Ortschaften ein Gaswerk zu er¬^
Bis dahin bestand an der Saar nur eine kleine überörtliche Versorgung, indem die
Gemeinden Rockershausen und Altenkessel vom städtischen Gaswerk Malstatt-Burbach
beliefert wurden; vgl. Kuckuck (1909), S. 1063
^ Die BAMAG hatte u.a. die Gaswerke in Fraulautern, Wiebelskirchen und
Dudweiler errichtet.
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