Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

"Zentralverwaltung"  unter  Johannes  Brand.15  Die  Firma  Karl  Francke
baute  zwischen  1892  und  1905  insgesamt  115  Gaswerke  in  allen  Teilen
Deutschlands.
Ähnliche  Bedeutung  erlangte  die  "Gasanstalts-Betriebsgesellschaft  Berlin"
  (GBG)157 158,  die  als  Konsortium  von  mehreren,  im  Gassektor  tätigen
Firmen  gegründet  wurde.  Dazu  gehörte  die  Berlin-Anhaltische  Maschinenbau
  AG,  die  seit  1872  im  Gas-  und  Wasserfach  eine  führende  Stellung
  in  Deutschland  erworben  hatte.  Sie  stellte  sämtliche  Anlagenkomponenten
  von  Gaswerken  wie  Ofen  unterschiedlicher  Bauart,  Kohlenförderanlagen,
  Kokslöscheinrichtungen,  Beschickungsmaschinen,  Gaswascher
  und  -reiniger,  Nebenerzeugungseinrichtungen,  Gasometer,
Druckregler  und  Rohrleitungen  sowie  später  komplette  Steinkohlengaswerke
  her.159  Von  Anfang  ihres  Bestehens  kooperierte  die  Maschinenbaufirma
  mit  der  Stettiner  Chamottefabrik,  die  ebenfalls  1872  gegründet
  wurde  und  sich  auf  die  Herstellung  feuertechnischer  Einrichtungen
  spezialisierte.  1903  entschlossen  sich  beide  Firmen,  die  Zusammenarbeit
  zu  intensivieren  und  mit  zwei  weiteren  Unternehmen,  der
Gasmesserfabrik  G.  Kromschröder  und  der  Kohlengroßhandlung  Caesar
  Wollheim,  aus  Berlin  ein  Konsortium  zu  gründen.  Der  Hauptunternehmenszweck
  bestand  darin,  in  Ortschaften  mit  2.500  bis  3.500  Einwohnern
  Gaswerke  zu  errichten.160
Da  sämtliche  beteiligten  Unternehmen  langwierige  Erfahrungen  in  der
Einrichtung  von  Gaswerken  besaßen  und  gemeinsam  die  komplette
Palette  von  Gaswerkskomponenten  anbieten  konnten,  traten  sie  gegenüber
  den  Gemeindeverwaltungen  quasi  als  Gesamtanbieter  auf:  mit
einem  Gaswerk  gewissermaßen  "von  der  Stange",  sodass  die  Verwaltungen
  die  Aufträge  nicht  einzeln  vergeben  mussten.  Damit  besaß  die
GBG  gegenüber  Konkurrenzunternehmen  Wettbewerbsvorteile,  da
diese  i.d.R.  nur  bestimmte  Gaswerkskomponenten  liefern  konnten;  der
Spielraum  für  Preisabschläge  erweiterte  sich  somit  beträchtlich.
Nach  Fertigstellung  der  Anlage  bot  die  GBG  den  Gemeinden  an,  das
neu  errichtete  Gaswerk  in  einer  Übergangszeit  zu  pachten.  Damit
wollte  sie  sicherstellen,  dass  die  Gaswerke  keine  größeren  baulichen
oder  technischen  Mängel  aufwiesen:  "Es  liegt  daher  im  eigensten  Interesse  der
haufirmen,  durch  vorzügliche  und  sachgemäße  Bauausführung  dafür  Sorge  zu

157 Vgl.  Körting  (1963),  S.  332
1  ^  In  den  20er  Jahren  trug  die  Firma  sowohl  den  Namen  "Gasanstalts-Betriebsgesellschaft"
  als  auch  "Gasanstalt-Betriebsgesellschaft"
157  MfVuT  III  SSg.  Firmenschriften  6285;  BAMAG  (1922),  S.  3  ff.;  vgl.  auch  von  Bülow
  (1923),  S.  94  f.
160  Ygj  Geitmann  (1910),  S.  90

192
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.