flationäre Preisentwicklung der Steinkohle auszugleichen. Zuletzt lag
der Preis bei 675 Mark pro Kubikmeter.
Ganz neue Probleme für die Saarbrücker Gasversorgung entstanden,
als die Hüttenwerke im Februar 1923 infolge des Bergarbeiterstreiks
ihre Gaslieferung drosselten. Im Zuge des Streiks kam die Belieferung
der Hütten mit Kohle vollständig zum Erliegen. Zunächst wollte die
Hütte die Kokereigaslieferung auf einen Drittel des Normalbezugs beschränken.
Die Stadt sah sich von daher veranlasst, Sperrstunden einzuführen.136
Da die Maßnahme nur eingeschränkten Erfolg hatte, weil die
Haushalte ihren Verbrauch nur verlagerten, sah sich die Verwaltung gezwungen,
im Falle der Nichtbeachtung der Verfügung unwillige
Verbraucher zu sanktionieren. Wer mehr als zwei Drittel seines januarverbrauchs
entnahm, musste die überschüssige Menge mit fünf Franken
pro Kubikmeter bezahlen. Am 21. Februar 1923 stellte die Stadt die
Gaszufuhr an die Haushalte in Saarbrücken völlig ein, nur die Straßenbeleuchtung
blieb vorerst in Funktion. Am 8. März sah sich die Halberger
Hütte gezwungen, die Lieferung ganz zu unterbrechen. Die
Stadtverwaltung richtete auf den Straßen eine Notbeleuchtung ein:
"Trotz aller unangenehmen Begleiterscheinungen hat die Uchtsperre hier in Saarbrücken
doch auch eine angenehme Überraschung gebracht. Hatte man sich schon
Zur Abwehr der durch Neumond und Regenwolken verstärkten nächtlichen Finsternis
mit einer eigenen Lichtanlage" in Gestalt von Taschenlampen versehen, so
geigte sich bereits am ersten Abend des völligen Fichtmangels, daß wir wenigstens in
den Hauptstraßen nicht ohne öffentliche Beleuchtung waren. Die Stadtverwaltung
hatte in vorsorglicher und anerkennender Weise in verhältnismäßig kursier Zeit an
die Oberleitung des Straßenbahn nettes ein elektrisches Leitungsnetzfür eine vorzüglich
funktionierende Notbeleuchtung montiert. Über 200 Lampen erhellten die
Straßenzüge, durch die die Straßenbahn führt und auch in der Kaiserstraße wurde
diese Notbeleuchtung, die stellenweise besser als die Gasbeleuchtung wirkt, durchgeführt.
Die Nebenstraßen sind dagegen aber nach wie vor in dichte Finsternis gehüllt,
in die man sich ohne die eigene Notbeleuchtung schwer hineinwagt. Seit Sonntag
Abend kann man auch beobachten, daß Militärposten während der Nacht aufgestellt
sind. Wie wir hören, sind sechzig Mann Militär zur Unterstützung in dem
nächtlichen Außendienst zur \ rerfügunggestellt worden 7137
Erst am 9. Mai 1923 (Malstatt-Burbach) beziehungsweise am 20. Mai
1923 hob die Stadtverwaltung die Gassperre auf, weil sowohl die Halberger
Hütte als auch die Völklinger Hütte in der Zwischenzeit auf
englische Kohle zur Verkokung zurückgriffen.138
^ Saarbrücker Ztg. vom 15.2.1923
Saarbrücker Ztg. vom 13.3.1923; auch StA Sbr. G 24/7117
Saarbrücker Ztg. vom 9.5. und 16.5.1923
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