Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Leuchtgas-  und  Motorengasabgabe  sollten  hohe  Zuwächse  von  Kochund
  Heizgas  kompensieren.  Angesichts  der  Tatsache,  dass  auch  die  Bevölkerungszahl
  im  Ansteigen  begriffen  war,  stellte  sich  wiederum  die
Frage  der  zukünftigen  Gasbeschaffung.
In  dieser  Situation  entschied  die  Stadt,  die  im  Ruhrrevier  gemachten  Erfahrungen
  auf  Saarbrücken  zu  übertragen  und  die  eigene  Steinkohlengaserzeugung
  durch  den  Bezug  von  Kokereigas  zu  ergänzen.  Am  25.
September  1909  schloss  die  Stadt  mit  der  Haiberger  Hütte  einen  Vertrag
  über  den  jährlichen  Bezug  von  vier  Mio.  Kubikmeter  Kokereigas
auf  die  Dauer  von  zehn  Jahren  ab.12"  Noch  im  folgenden  Monat  errichtete
  das  Hüttenwerk  auf  seinem  Betriebsgelände  in  Brebach  eine  Koksofenreinigungsanlage
  mit  einer  Tagesleistung  von  20.000  Kubikmeter
und  eine  Kompressorenstation  mit  1.100  Kubikmeter  Stundenleistung.
Die  Anlage  wurde  von  der  Berlin-Anhaltischen  Maschinenbau  AG  errichtet.128
  Zwecks  Gastransports  verlegte  die  Stadt  eine  Hochdruckleitung.
  Das  ehemalige  St.  Johanner  Gaswerk  (Werk  Dudweiler  Straße)
und  das  Saarbrücker  Gaswerk  (Werk  Hohenzollernstraße)  erhielten
ebenfalls  eine  Verbindungsleitung.  Am  15.  August  1910  strömte  erstmals
  Koksgas  durch  die  Leitungen.  Zwischen  Ende  August  und  Anfang
Oktober  stellte  das  Werk  Dudweiler  Straße  den  Betrieb  versuchsweise
ein.  Offensichtlich  wollte  man  zunächst  abwarten,  ob  sich  das  Kokereigas
  bewährte.  Das  Werk  Hohenzollernstraße  ging  dagegen  endgültig  am
5. Oktober  1910  außer  Betrieb.129
Die  positiven  Erfahrungen,  die  der  Betrieb  mit  dem  Gas  der  Haiberger
Hütte  machte,  veranlasste  ihn,  noch  im  Dezember  1910  den  Vertrag
mit  der  Haiberger  Hütte  auf  eine  Liefermenge  von  zwölf  Mio.  Kubikmeter
  jährlich  aufzustocken.  Die  Stadt  erhielt  das  Gas  zu  einem  Preis
von  3,25  bis  vier  Pfg.  pro  Kubikmeter.130  Im  April  1911  stellte  auch  das
Gaswerk  Dudweiler  Straße  die  Produktion  ein.  Die  allmähliche  Aufgabe
  der  Eigenerzeugung  lässt  sich  auch  an  der  Entwicklung  der  Gasabgabe
  ablesen.  Während  das  Steinkohlegas  1910/11  mit  6.075.336
Kubikmeter  noch  über  71  Prozent  der  Gasabgabe  ausmachte,  stammte
im  darauf  folgenden  Geschäftsjahr  bereits  fast  drei  Viertel  der  abgegebenen
  Gasmenge  von  der  Haiberger  Hütte.
Das  Kokereigas  erreichte  zunächst  aber  nur  die  südlichen  und  östlichen
Stadtteile  Saarbrückens,  das  Gaswerk  Malstatt  blieb  deshalb  zur  Versorgung
  der  westlichen  Stadtteile  in  Betrieb.  Eine  neue  Ausgangslage
ergab  sich  erst  dadurch,  dass  die  Gasanstalts-Betriebsgesellschaft
127  Vgl.  Voltz  (1934),  S.  112
128  ]fG,  52.  ]g.  (1909),  Nr.  44,  S.  972;  Saarbrücker  Ztg.  vom  7.11.1909
129  Vgl.  Bericht  (1911),  S.  121
130  Yg|_  RUppersberg  (1914),  S.  281

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