Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

herer  Gewalt  (z.B.  Streik)  zurückzuführen  war.  Der  Einkaufspreis  des
Kokereigases  betrug  acht  Pfg.  pro  Kubikmeter  und  lag  damit  erheblich
über  vergleichbaren  Preisen  im  Rheinland  und  Westfalen.  Den  Verkaufspreis
  setzte  die  Gemeindeverwaltung  auf  14  Pfg.  fest,  woraus  sie
auch  die  Kosten  für  die  Verlegung  des  Rohrnetzes  bestreiten  musste.109
Ganz  anders  als  in  der  Gemeinde  Brebach  gestaltete  sich  die  Ausgangslage
  in  Saarbrücken,  das  am  1.  April  1909  aus  den  bis  dahin  eigenständigen
  Städten  Saarbrücken,  St.  Johann  und  Malstatt-Burbach  hervorging.
  Die  neue  Großstadt  verfügte  über  drei  Gaswerke  mit  eigenen
Produktionsanlagen,  Leitungsnetzen  und  Verwaltungsapparaten,  Im
Vorfeld  der  Verhandlungen  zur  Städtevereinigung  spielten  deshalb  auch
mögliche  Rationalisierungspotentiale  bei  einem  Zusammenschluss  der
städtischen  Betriebe  (Wasserwerke,  Schlachthöle,  Gas-  und  Elektrizitätswerke)
  eine  zentrale  Rolle.  1906  verfügten  die  Gaswerke  über  eine
Jahreserzeugung  von  1,6  Mio.  (Malstatt),  zwei  Mio.  (Saarbrücken)  und
3,3  Mio.  Kubikmeter  (St.  Johann),  zusammen  knapp  sieben  Mio.  Kubikmeter.
  Der  Verkaufspreis  variierte  zwischen  11,28  und  13,28  Pfg.  je
Kubikmeter.110

Einnahmen,  Bruttogewinn,  Nettogewinn  und

Rücklagen  für

Reserve-  und  Emeuerungsfonds

der  städtischen  Gaswerke  am  1.

April  1906  in  Mark  (nach  den  Haushaltsplänen)111

Betriebswerk

St.  Johann

Saarbrücken

Malstatt-Burbach


Einnahmen

430.449

672.280

389.000

Bruttogewinn

203.747

143.800

106.857

Nettogewinn

160.055

80.530

82.413

Erneuerungsfonds

127.326

41.796

4.059

Insbesondere  als  Finanzierungsquelle  im  städtischen  Haushalt  bildeten
die  Gaswerke  einen  festen  Faktor.  Das  Gaswerk  Saarbrücken  führte
zum  Beispiel  fast  zwei  Drittel  seines  Nettoreingewinnes  von  132.658
Mark  an  die  Stadtkasse  ab.  Doch  litt  unter  einem  solchen  Finanzgebaren
  die  Rekapitalisierung  der  Betriebe.  Beispielsweise  stellte  etwa  das
Gaswerk  Malstatt  1905  nur  ca.  2.000  Mark  des  Nettoreingewinns  von
120.000 Mark  in  den  Erneuerungsfonds  ein.  Das  Gaswerk  Saarbrücken
109  a  Stadtverband  Sbr.  G-S/72:  Vertrag  vom  9.8.1906
110  StA  Sbr.  AS  684:  Vermögensaufstellung  der  Städtischen  Betriebswerke
111  Tormin  (1906  a)

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