Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

die  Ereignisse  in  Rheinland  und  Westfalen  zu  erklären.  Auch  eine  regionale
  Entwicklungsgeschichte  muss  deshalb  immer  die  allgemeinen  Entstehungshintergründe,
  Organisationsmodelle  und  die  politische  Durchsetzung
  der  einzelnen  Versorgungsebenen  berücksichtigen.
Zugleich  bietet  der  regionale  Bezug  aber  sehr  viel  genauer  die  Möglichkeit,
  politische  und  ökonomische  Voraussetzungen,  Entscheidungsprozesse
  und  Erfahrungswerte  der  unterschiedlichen  Versorgungsmodelle
zu  beleuchten.  Regionale  Untersuchungen  bieten  sehr  viel  besser  die
Chance  einer  detailgetreuen  Analyse  in  überschaubaren  Räumen,  sodass
die  Ergebnisse  wie  ein  Mosaik  zu  einem  sehr  komplexen  und  genauen
Bild  der  regionalen  Entwicklung  zusammengefügt  werden  können.  Die
Zahl  der  involvierten  Akteure,  Gruppierungen  und  Organisationen,  die
in  Frage  kommenden  Teilräume  sind  begrenzt,  der  Forschungsprozess
letztlich  viel  eher  handhabbar.  Und  dennoch:  eine  regionale  Entwicklungsgeschichte
  darf  nicht  in  den  Fehler  verfallen,  sich  auf  die  Aneinanderreihung
  lokaler  Besonderheiten  zu  beschränken;  sie  muss  Bezüge
zu  den  nationalen  Veränderungen,  ökonomischen  Prozessen,  technologischen
  Entwicklungen  und  -  falls  erforderlich  -  dem  Stand  der  Gesetzgebung
  herstellen,  somit  danach  fragen,  inwieweit  sich  nationale  Gegebenheiten
  in  einem  abgegrenzten  Raum  niederschlagen.  Eine  regionale
Umweltgeschichte  erhält  ihren  eigentlichen  Wert  vor  allem  dadurch,
dass  sie  die  lokale  Entwicklung  derjenigen  anderer  Regionen  gegenüberstellt.
  Erst  dann  kann  eine  Orientierung  auf  die  lokalen  und  regionalen
  Verhältnisse  dazu  führen,  den  allgemeinen  Kenntnisstand  zu  erweitern
  und  zu  differenzieren.
Gerade  die  Saarregion  kommt  in  mehrfacher  Flinsicht  für  eine  solche
regionale  Fallstudie  in  Frage.  Infolge  der  zahlreichen  Großbetriebe,  der
relativ  hohen  Bevölkerungsdichte  und  der  Steinkohlevorkommen  erlangte
  die  Gasversorgung  schon  im  19.  Jahrhundert  große  Verbreitung:
Neben  mehreren  betrieblichen  Gasfabriken  befanden  sich  hier  auf
engstem  Raum  zusätzlich  neunzehn  lokale  Gaswerke.  Auf  Basis  dieser
hohen  Zahl  kommunaler  Versorgungsbetriebe  lassen  sich  die  unterschiedlichen
  Beweggründe,  die  Erfahrungswerte  und  die  Ursachen  benennen,
  die  eine  Ablösung  privater  Gasgesellschaften  durch  öffentliche
Betriebe  bewirkten.  Ebenso  ist  nachvollziehbar,  welche  Faktoren  später
zur  Aufgabe  der  Eigenerzeugung  und  zum  Abschluss  von  Pacht-  oder
Lieferverträgen  mit  Privatunternehmen  führten.  Als  Standort  mehrerer
Eisenhütten  standen  darüber  hinaus  in  der  Saarregion  seit  der  Jahrhun¬16


            
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