die Ereignisse in Rheinland und Westfalen zu erklären. Auch eine regionale
Entwicklungsgeschichte muss deshalb immer die allgemeinen Entstehungshintergründe,
Organisationsmodelle und die politische Durchsetzung
der einzelnen Versorgungsebenen berücksichtigen.
Zugleich bietet der regionale Bezug aber sehr viel genauer die Möglichkeit,
politische und ökonomische Voraussetzungen, Entscheidungsprozesse
und Erfahrungswerte der unterschiedlichen Versorgungsmodelle
zu beleuchten. Regionale Untersuchungen bieten sehr viel besser die
Chance einer detailgetreuen Analyse in überschaubaren Räumen, sodass
die Ergebnisse wie ein Mosaik zu einem sehr komplexen und genauen
Bild der regionalen Entwicklung zusammengefügt werden können. Die
Zahl der involvierten Akteure, Gruppierungen und Organisationen, die
in Frage kommenden Teilräume sind begrenzt, der Forschungsprozess
letztlich viel eher handhabbar. Und dennoch: eine regionale Entwicklungsgeschichte
darf nicht in den Fehler verfallen, sich auf die Aneinanderreihung
lokaler Besonderheiten zu beschränken; sie muss Bezüge
zu den nationalen Veränderungen, ökonomischen Prozessen, technologischen
Entwicklungen und - falls erforderlich - dem Stand der Gesetzgebung
herstellen, somit danach fragen, inwieweit sich nationale Gegebenheiten
in einem abgegrenzten Raum niederschlagen. Eine regionale
Umweltgeschichte erhält ihren eigentlichen Wert vor allem dadurch,
dass sie die lokale Entwicklung derjenigen anderer Regionen gegenüberstellt.
Erst dann kann eine Orientierung auf die lokalen und regionalen
Verhältnisse dazu führen, den allgemeinen Kenntnisstand zu erweitern
und zu differenzieren.
Gerade die Saarregion kommt in mehrfacher Flinsicht für eine solche
regionale Fallstudie in Frage. Infolge der zahlreichen Großbetriebe, der
relativ hohen Bevölkerungsdichte und der Steinkohlevorkommen erlangte
die Gasversorgung schon im 19. Jahrhundert große Verbreitung:
Neben mehreren betrieblichen Gasfabriken befanden sich hier auf
engstem Raum zusätzlich neunzehn lokale Gaswerke. Auf Basis dieser
hohen Zahl kommunaler Versorgungsbetriebe lassen sich die unterschiedlichen
Beweggründe, die Erfahrungswerte und die Ursachen benennen,
die eine Ablösung privater Gasgesellschaften durch öffentliche
Betriebe bewirkten. Ebenso ist nachvollziehbar, welche Faktoren später
zur Aufgabe der Eigenerzeugung und zum Abschluss von Pacht- oder
Lieferverträgen mit Privatunternehmen führten. Als Standort mehrerer
Eisenhütten standen darüber hinaus in der Saarregion seit der Jahrhun¬16