nere Gemeinden und den ländlichen Raum auszudehnen. Bis zur Bildung
eines eigenen Unternehmens sollte das RWE, das sich mehrheitlich
im Einflussbereich des wichtigsten Bergwerksbesitzers Hugo Stinnes
befand, die Koordination übernehmen. Für das RWE sprachen die
Erfahrungen, die das Unternehmen seit Anfang des Jahrhunderts beim
Aufbau der Stromversorgung im Essener Raum erworben hatte sowie
die Einflussmöglichkeiten der Kommunen in dem gemischtwirtschaftlichen
Unternehmen. Eine derartige neue Gesellschaft mit umfassenden
Kompetenzen kam jedoch nicht zustande, weil die meisten Zechen
eben nur an einem Absatz in ihrer unmittelbaren Umgebung Interesse
zeigten und keinerlei Expansion anstrebten. Noch Anfang der 20er-Jahre
verteilte sich der Gasverkauf auf zwölf Zechengesellschaften sowie
zwei Verkaufs- und Transportgesellschaften, die den Verkauf isoliert
und ohne Planung betrieben.102 Lediglich die Gasabteilung der Gewerkschaft
Deutscher Kaiser wurde 1921 aus der Gewerkschaft als
"Gasgesellschaft mbH Hamborn", den späteren "Thyssensche Gasund
Wasserwerke GmbH" ausgegliedert.103 Erst 1926 gründeten die
Mitglieder des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats eine "Aktiengesellschaft
für Kohleverwertung".
Trotz der organisatorischen Defizite stieg die Kokereigasabgabe für die
Stadtversorgungen kontinuierlich an: von drei Mio. Kubikmeter 1907,
auf zwölf Mio., 25 Mio., 43 Mio. und über 85 Mio. Kubikmeter in den
darauf folgenden Jahren.104 1913 belief sich die abgegebene Menge an
Kokereigas auf 130 Mio. und 1923 auf mehr als 200 Mio. Kubikmeter.103
Hiervon entfielen alleine auf das RWE ca. 80 Mio. Kubikmeter.
Die überwiegende Zahl der Großstädte des rheinisch-westfälischen Industriegebietes
wie Mülheim, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund,
Witten, Herne, Recklinghausen, Essen und Hamborn hatten in der
Zwischenzeit ihre Versorgung auf Kokereigas umgestellt.
Für die Zeitperiode zwischen 1900 und 1925 kann man somit von einer
ersten Stufe der Entkommunalisierung der Gasversorgung sprechen.
Gerade in den westdeutschen Industriegebieten stellte die über-109
Neben dem RWE und Thyssen als Verteilungsgesellsehaften gehörten hierzu die
nicht zum RWE gehörenden Stinnes-Zechen, die Gelsenkirchener Bergwerks AG, die
Friedrich Krupp AG, die Bergwerks-Gesellschaft Trier, die Bergwerks AG Lothringen,
die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten AG, die Gewerkschaft
"König Ludwig", die Arenberg'sche AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, das Westfälische
Verbands-Elektrizitäts-Werk, die Zeche "Rheinpreußen" sowie die Gewerkschaft
Dorstfeld.
Vgl. Freßen (1924), S. 3; Ruhrgas AG (1992), S. 2
¡¡4 Vgl. Körting (1957), S. 168
105 Vgl. Schreiber (1923), S. 155; Körting (1963), S. 369
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