Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

sen,  wonach  Thyssen  die  Gemeinden  von  Mülheim/  Ruhr  bis  Barmen  aus  einer
Fernleitung  versorgen  und  das  RIFF  durch  eine  Fernleitung  an  Barmen  vorbei  die
Gasversorgung  des  gesamten  Belgischen  Landes  um  Llberfeld-Barmen  übernehmen
konnte“98  Beide  Ferngasleitungen  besaßen  zwecks  Aushilfslieferungen
V  erbindungslei  tungen.99
Zu  den  Abnehmern  des  RWE  zählte  seit  1912  auch  die  Stadt  Remscheid.
Obwohl  das  städtische  Gaswerk  das  Gas  bei  Eigenerzeugung  nach  Abzug
  der  Einnahmen  aus  Nebenprodukten  zu  Selbstkosten  von  5,38  Pfg.
herstellte,  und  hiervon  auch  bei  Kokereigasbezug  zumindest  die  Kosten
von  etwa  2,25  Pfg.  pro  Kubikmeter  für  Gehälter  und  Löhne,  Verwaltung,
  Tilgung,  Zinsen  und  Reparaturen  erhalten  geblieben  wären,
ergaben  sich  aus  dem  angebotenen  Bezugspreis  von  3,3  Pfg.  und  den
Verwaltungs-  und  Nebenkosten  insgesamt  höhere  Selbstkosten  von
5,55  Pfg.  pro  Kubikmeter.  Dennoch  entschied  sich  die  Stadt  für  den
Kokereigasbezug:  "Die  bisherige  Gasanstalt  erwies  sich  bei  dem  ständigen  Anwachsen
  des  Konsumentenkreises  als  gu  klein  und  konnte  der  beschränkten  Raumverhältnisse
  wegen  an  Ort  und  Stelle  nicht  erweitert  werden.  Infolgedessen  musste
Remscheid  mit  dem  unmittelbaren  Bau  eines  neuen  Gaswerks  rechnen,  dessen  Kosten
  sich  auf  ca.  1  112  Mio.  Mark  belaufen  hätten.  Dass  Zinsen  und  Tilgung  einer
solchen  Anleihe  die  zukünftigen  Selbstkosten  der  Gaserzeugung  erheblich  beeinflußen
  mußten,  ist  klar”.100  Zu  den  finanziellen  Aspekten  kamen  technische
Vorteile  des  Gasbezugs.  Da  Remscheid  über  ein  ausgedehntes  Versorgungsgebiet
  verfügte,  und  man  im  Stadtgebiet  erhebliche  Höhenunterschiede
  überwinden  musste,  gestaltete  es  sich  ausgesprochen  schwierig,
das  Gas  unter  ausreichendem  Druck  und  genügender  Menge  sämtlichen
  Verbrauchsstellen  zuzuführen.  Remscheid  entschied  sich  deshalb
für  25  Jahre  zum  Kokereigasbezug  vom  RWE.  Die  Errichtung  von  fünf
Behälterstationen  an  der  Peripherie  des  Stadtgebietes  gewährleistete
dabei  die  Belieferung  sämtlicher  Verbrauchspunkte  mit  ausreichendem
Druck.101
Obwohl  die  Festsetzung  von  Demarkationsverträgen  zwischen  den
beiden  wichtigsten  Vertriebsgesellschaften  auf  eine  regelrechte  Zusammenarbeit
  in  der  Kokereigaswirtschaft  schließen  lassen  könnte,
fehlte  es  an  einer  koordinierten  Politik  aller  Produzenten.  Schon  1911
bestanden  Pläne  zur  Gründung  einer  Rheinisch-Westfälischen  Gasgesellschaft,
  die  den  Verkauf  nach  einheitlichen  Kriterien  übernehmen
sollte.  Analog  zur  Errichtung  elektrischer  Überlandzentralen  versprach
man  sich  von  einer  solchen  Gesellschaft,  die  Gasversorgung  auf  klei-98

  Classen  (1958),  S.  130;  Asriel  (1930),  S.  63;  auch  25  lahre  Ruhrgas  (1951),  S.  22
99  Vgl.  Schreiber  (1928),  S.  154
100  Preßen  (1924),  S.  57;  auch  Rosellen  (1925),  S.  170
101  Gaswerke  Remscheid  (1913),  S.  7;  Häringslack  (1927),  S.  75;  Heinz  (1934),  S.  25

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