nach sozialen Aspekten oder der Preisgestaltung im Allgemeinen sowie
die Berücksichtigung beschäftigungspolidscher Zielsetzungen. Vor dem
Hintergrund dieser Überlegung gelang es den meisten Städte und Gemeinden
seit etwa 1880, die überwiegend privaten Gasanstalten in
kommunale Obhut zu bekommen.82 1860 befanden sich noch last 80
Prozent der Gasanstalten in Privatbesitz, 1908 gehörten von 1.647 bestehenden
Gaswerken mehr als zwei Drittel den Gemeinden.83
Während die Anhänger wirtschaftsliberaler Vorstellungen den kommunal
geführten Betrieben Misswirtschaft, fehlende technische und betriebswirtschaftliche
Kompetenz, Personalüberhang sowie langwierige
und schwerfällige Entscheidungsprozesse vorwarfen und die Überlegenheit
privatwirtschaftlicher Unternehmen herausstellten, bildete die
Kommunalisierung für die Anhänger sozialistischer Wirtschaftskonzepte
einen ersten Schritt zur Einschränkung privater Wirtschaftsmacht
und zur Durchsetzung eines sozialistischen Wirtschaftssystems.84 "Den
gemeinsamen Ausgangspunkt bildete die Auffassung, daß das rein privatwirtschaftliche
System nicht in der Lage war, die im Zuge des Industria/isierungspro^esses
entstandenen sozialen und wirtschaftlichen Probleme -gu lösen, daß das System
Lunktionsdefisfte aufwies, die ein Eingreifen von Gebietskörperschaften (Reich,
Länder, Gemeinden) und 'Gesinnungs-Körperschaften' (Kirchen, Gemeinschaften,
Gewerkschaften etc.) notwendig machte“.^ Öffentliche und gemeinwirtschaftliche
Betriebe sollten privatwirtschaftliche Unternehmen in einer dualistischen
Wirtschaftsordnung ergänzen. Die Aufgabe der kommunalen
Gaserzeugung brachte deshalb aus Sicht der Städte und Gemeinden mit
sich, dass sie sich in die weitgehende oder völlige Abhängigkeit der
Zechen und Plüttenwerke begaben.
Der Übergang zur Kokereigasversorgung gestaltete sich vor diesem
Hintergrund als sehr langwierig und wies viele Entwicklungsbrüche auf.
Bis zur Jahrhundertwende beschränkte sich die Versorgung benachbarter
Ortschaften mit Kokereigas auf einzelne Fälle. Zwar entwickelte
Wilhelm Siemens bereits 1863 einen Koksofen, der die getrennte Auskopplung
von Heizgas und Leuchtgas ermöglichte, doch scheiterte
diese Technik an ihrer Unwirtschaftlichkeit. Erst Ende des Jahrhunderts
griffen deutsche Industrielle - ausgehend von Erfahrungen in
England, Belgien und Frankreich - die Idee auf, Koksgas an benach¬82
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Zum Verlauf dieses Kommunalisierungsprozesses vgl. Brunckhorst (1978)
Schnabel-Kühn (1929), S. 57 ff.; Winkler (1938), S. 3 f.; Ambrosius (1984), S. 45
Vgl. Schiff (1910), S. 8 £; Wippermann (1912), S. 7 f.; Schülke (1921), S. 14
Ambrosius (1984), S. 20
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