Bei den Unterbrenneröfen67 des Neunkircher Eisenwerks betrug der Gasüberschuss
in 24 Stunden etwa 2.500 Kubikmeter Gas. Der Viertaktmotor,
der 1902 hinzukam, erzeugte hiermit täglich 4.320 PS-Stunden.
Pro PS-Stunde benötigte man somit 0,578 cbm Gas. Alternativ
brauchte man zur Erzeugung einer PS-Stunde aber neun Kilo Dampf.
Mit dem Gasmotor betrieb man eine Gebläsemaschine. Auch auf der
Neunkircher Hütte wurden die Gasmaschinen in einer Elektrozentrale
zusammengefasst. 1901 bestand die Koksanlage aus acht Ofengruppen
mit insgesamt 362 Ofen. In den folgenden Jahren wurden die Gruppen
IX und II mit 100 Ofen umgebaut, sodass zwei Drittel der Ofenanlage
aus Flammöfen bestanden, die das restliche Drittel mit heizten. Damit
konnte eine größere Menge Koksgas für externe Zwecke ausgekoppelt
werden: etwa 35 Prozent. Es wurde in einer 500 Millimeter starke Leitung
zur Elektrizitätszentrale geleitet und dort in Gasmotoren mit einer
Kapazität von knapp 10.000 PS in Strom umgewandelt. 1910 wurden
weitere vier Ofengruppen mit über 200 Öfen nach dem Regenerativsystem
umgebaut. Zur Speicherung des Koksgases benötigte die Hütte
einen Gasometer mit einem Volumen von 3.500 Kubikmeter.68
Auf der Haiberger Hütte nutzte man die überschüssigen Kokereigasmengen
weniger zur Erzeugung von Elektrizität denn zur Gewinnung von
Nebenprodukten. Nachdem in den Jahren 1889/90 die alten 50 Öfen
von 1874/75 durch eine neue Koksofenbatterie mit 39 Öfen der Firma
Otto ersetzt worden waren, gewann die Hütte von diesem Zeitpunkt an
außer dem Koks auch die Nebenprodukte Teer und Ammoniak.69 In
den Jahren 1895/96 nahm die Firma weitere Umstellungen und Erweiterungen
vor, mit dem anfallenden Rohgas beheizte man zudem die
Koksöfen und man verwendete sie zur Dampferzeugung.70 Das Benzol
wurde in einer eigens 1898 errichteten Fabrik gewonnen, der ersten
derartigen Anlage in der Region. Durch die Gewinnung des Benzols
nahm der Heizwert des Koksgases etwas ab, er betrug aber immer noch
zwischen 4.500 und 5.000 WE. Seit 1897 war es möglich, einen Teil des
Koksofengases zur Beleuchtung der Hütte einzusetzen und seit 1899
auch an das benachbarte Schloss Haiberg, den Wohnsitz des Mitaktionärs
Freiherr von Stumm, abzugeben. 1903 wurden wiederum neue
Koksöfen errichtet, die die Menge des Uberschussgases weiter erhöh¬°;
Die Unterbrenneröfen der Firma Otto erlaubten eine optimale Hitzeregelung der
Koksöfen durch Vermehrung bzw. Verminderung in der Zufuhr der Verbrennungsluft.
Der Gasüberschuss erreichte allerdings nicht die Größenordnung wie ein Wärmeerforderte;
vgl. Mengelberg (1904), S. 118
09 Vgl. Kloevekorn (1956), S. 69
70 Vgl. Keller (1935), S. 78
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