Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

nicht  daran  gedacht,  dass  aus  diesem  ersten  Versuch  der  Verbrennung  von
Koksofengasen  in  einer  ersten  Gasmaschine  sich  innerhalb  15  Jahren  ein  überaus
rationelles  System  der  Erzeugung  elektrischer  Energie  entwickeln  werde.  Dieses
System  dient  zugleich  hygienischen  Interessen,  indem  die  die  Euft  verschlechternden
und  der  Vegetation  schädlichen  Gase  von  Koksöfen  und  Hochöfen  nicht  mehr  in  die
Euft  entweichen"V  Auf  Grund  der  guten  Erfahrungen,  die  die  Altenwalder
  Kokerei  mit  der  ersten  Gasmaschine  gemacht  hatte,  baute  die
Firma  Erhard  &  Sehmer  1908  eine  600  PS-Viertaktmaschine  zum  Antrieb
  der  Kohlenwäsche.
Der  Siegeszug  der  Koksgasmaschinen  resultierte  nicht  zuletzt  daraus,
dass  durch  die  Weiterentwicklung  der  Koksöfen  die  verfügbare  Überschussgasmenge
  bei  der  Verkokung  auf  120  bis  130  Kubikmeter  Gas
pro  Tonne  Kohle  anstieg.  Da  zur  Herstellung  einer  PS-Stunde  etwa  0,6
Kubikmeter  Koksgas  von  4.100  Kalorien  benötigt  wurden,  100  Kubikmeter
  überschüssiges  Gas  somit  rund  165  PS-Stunden  ergaben,
konnten  die  Kokereien  erhebliche  Strommengen  produzieren.64  Vergleiche
  mit  der  herkömmlichen  Stromerzeugung  aus  Dampf  stellten
auch  auf  den  Saarhütten  die  Vorteile  der  direkten  Stromerzeugung  aus
Koksgas  unter  Beweis:  "Da  man  für  die  Erzeugung  einer  Pferde  kraftstunde  in
einer  neueren  Dampfmaschine  9  kg  Dampf  von  6-8  at  rechnet,  so  entsprechen  also
bei  der  Krafteryeugung  9  kg  Dampf  0,6  cbm  Koksgas.  Mit  einem  Einsatz  von  1  t
Rohkohle  trocken  lassen  sich  nach  den  oben  gemachten  Angaben  einerseits  120-150
cbm  überschüssiges  Gas  erfelen,  andererseits  rund  800-900  kg  Wasser  verdampfen,
  wobei  noch  ein  kleiner  Gasüberschuß  verbleibt.  Es  lassen  sich  daher  auf  dem
ersteren  Wege  200-250  PS-Stunden  nutzbar  machen,  während  bei  der  Umsetzung
der  Gase  in  Dampf  nur  90-100  PS-Stunden  auf  1  t  Einsatz  yu  erzielen  sind".65
Die  Kraftzentrale  der  Burbacher  Hütte  bestand  aus  drei  Deutzer  Gasmotoren
  von  je  600  PS  und  einer  Nürnberger  Gasmaschine  von  1.200
PS.  Diese  speisten  1906  insgesamt  280  Elektromotoren,  320  Bogenlampen
  und  3.600  Glühlampen.  1910  riss  man  die  alten  Koksöfen
größtenteils  ab.  An  ihre  Stelle  traten  74  neue  Öfen  -  die  Zahl  der  Öfen
betrug  insgesamt  334  -  mit  denen  ein  möglichst  hoher  Überschuss  erzielt
  werden  konnte.66

^  Kollmann  (1911),  S.  14
^  Vgl.  Mengelberg  (1904),  S.  113
65  Mengelberg  (1904),  S.  118  f.
66  Vgl.  Burbacherhütte  (1906),  S.  77;  Nolte  (1912),  S.  53

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