zeugte man mit der Abhitze von 60 Koksöfen in acht Kesseln Dampf.50
Die private de Wendelsche Kokerei in Dudweiler schließlich gab den
mittels der Abhitze der Koksöfen erzeugten Dampf an die benachbarte
Grube Dudweiler ab, welche damit eine elektrische Zentrale betrieb."’1
Neben der Nutzung der Abwärme der Koksöfen gewann die direkte
Verwendung von "Abfallgasen" seit Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung.
Hierzu zahlten sowohl die Hochofen- beziehungsweise
Gichtgase als auch die Koksgase. Da das Koksgas dem Leuchtgas aus
Steinkohle in seiner chemischen Zusammensetzung stark ähnelt, lag es
nahe, das Koksgas zur Beleuchtung der Betriebsanlagen zu verwenden.
Seit 1897 erfolgte die Beleuchtung der Haiberger Hütte zusätzlich zu
der noch bis 1905 bestehenden Steinkohlegasanstalt mit Hilfe von
Koksgas. 1899 lieferte das Werk auch an das nahe gelegene Schloss
Haiberg Koksgas zu Leuchtzwecken.52 Mit der aufkommenden Elektrizität
und der Verwendung von Gichtgasen verlor dieser Anwendungsbereich
aber an Bedeutung.
Eine größere Zukunftsperspektive besaß die Nutzung der Gase in
Gasmotoren. Einen ersten Gasmotor stellte die Firma Langen & Otto
schon 1869 auf der Weltausstellung in Paris auf, er ging jedoch nicht in
Serienfertigung. Erst zehn Jahre später galten die Motoren als so ausgereift,
dass sie auf den Markt kamen. Zunächst auf die Umwandlung von
Steinkohlegas ausgelegt, erkannten die Techniker in den 90er Jahren
auch die Verwendungsmöglichkeiten von Gichtgas und Koksgas in
Gasmotoren. Beide Abfallenergien standen in den Hüttenwerken als
kostenlose Energieträger in erheblichen Mengen zur Verfügung. In den
Hüttenwerken mussten sich die Gasmotoren gegenüber den bis dahin
dominierenden Dampfmaschinen behaupten. Der Vorteil der Gasmotoren
bestand vor allem darin, dass sie sich den Dampfmaschinen in
Bezug auf die Nutzungsgrade sowie durch den Wegfall des gefährlichen
und viel Raum beanspruchenden Dampfkessels deutlich überlegen
zeigten,53 Die Verwertung solcher Gase in Gasmaschinen und ihrer
Umwandlung in mechanische und elektrische Energie spiegelt letztlich
die zunehmende Differenzierung der Hüttenwerke und der Ersetzung
menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen wider.
Auch in Hinblick auf die Gichtgasmotoren verstrichen etwa zehn Jahre
bis sie in Serienfertigung gingen und im Betriebsprozess ohne größere
Störungen funktionierten. Ein erster mit Gichtgas arbeitender Motor
ging 1895 in Wishaw (Schottland) in Betrieb. Gleichzeitig versuchten
Vgl. Mengelberg (1904), S. 119; Simmersbach (1905), S. 1351
51 Vgl. Simmersbach (1905), S. 1351
57 Vgl. Keller (1935), S. 77; zu den Gasanalysen des Koksgases Osann (1923), S. 91
55 Vgl. Sander (1914), S. 50
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