Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

f^edampfkessel  von  je  55  nt  Heizfläche  und  5  atü  Betriebsdruck  aufgestellt,  die  den
Dampf  für  den  Antrieb  der  Kohlenwäsche  liefern  sollten  “A
1860  beschloss  der  Verwaltungsrat  der  Burbacher  Hütte,  zwei  Kessel  auf
die  dortige  Koksofenanlage  aufzusetzen,  um  mit  der  Abwärme  Gebläsemaschinen
  für  die  Hochöfen  anzutreiben.  Infolge  technischer  Probleme
  kam  das  Projekt  aber  erst  1867  zur  Ausführung.  Auch  die  Abhitze
  von  25  weiteren  Koksöfen,  die  1872  in  Betrieb  gingen,  diente  zur
Kesselheizung.45 46
Sehr  detailliert  lassen  sich  die  Konzepte  zur  Abwärmenutzung  für  die
Neunkircher  Hütte  illustrieren:  1874  waren  die  ersten  vier  Koksofengruppen
  errichtet  worden,  1882  kamen  zwei  weitere  Koksofengruppen,  alle
abseits  der  übrigen  Betriebsabteilungen,  hinzu.  Mit  der  Abwärme  erzeugte
  man  Dampf.  Da  der  damalige  Stand  der  Wärmewirtschaft  eine
Dampfübertragung  über  mehr  als  einen  Kilometer  noch  nicht  erlaubte,
entschied  sich  die  Betriebsdirektion  dazu,  Gebläsemaschinen  aufzustellen
  und  diese  mit  dem  überschüssigen  Dampf  zu  speisen.  Den  so
komprimierten,  etwa  450  Grad  heißen  Wind  leitete  man  über  Rohre  zu
den  Hochöfen.4  Das  Einblasen  der  heißen  Luft  in  den  Hochofen
führte  zu  einer  Verkürzung  des  Verhüttungsprozesses  und  verbesserte
die  Qualität  des  erschmolzenen  Eisens.  Mit  dem  weiteren  Ausbau  der
Kokerei  -  1895  ging  die  siebte  Koksofengruppe  in  Betrieb  -  entstanden
zusätzliche  Abwärmepotentiale.  Die  Zahl  der  Dampfkessel  wurde  weiter
  erhöht,  sodass  1901  bereits  35  Dampfkessel  mit  zusammen  2.414  m2
Heizfläche  zur  Verfügung  standen.  Sie  erzeugten  täglich  700  Tonnen
Dampf.  Die  Koksanlage  samt  Dampfkesseln  bildete  somit  die  Hauptenergiequelle
  der  Hütte.48  Als  zusätzlicher  Einsatzbereich  des  Dampfes
kam  vor  allem  das  Blockwalzwerk  in  Betracht.  Der  Dampf,  der  über
eine  1.200  Meter  lange,  isolierte  Leitung  transportiert  wurde,  diente  im
Walzwerk  dazu,  die  Wärmeöfen  vorzuheizen,  in  denen  die  Gussblöcke
vor  und  während  des  Walzprozesses  erwärmt  wurden.  Auch  die  Schlackenmühle
  und  die  Steinfabrik  benötigten  den  Energieträger.
Auch  die  anderen  saarländischen  Hütten  setzten  die  Abwärme  in  ähnlicher
  Weise  ein.  Die  Burbacher  Hütte  verfügte  1906  über  43  Dampfkessel
  mit  einer  Heizfläche  von  3.500  m2.49  Auf  der  Haiberger  Hütte  er¬45

  Vgl,  Johannsen  (1931),  S.  133;  Banken  (2003),  S.  244  datiert  den  Zeitpunkt  der  Inbetriebnahme
  dieser  Maschine  hingegen  auf  1852.
46  Vgl,  Burbacherhütte  (1906),  S.  34;  nach  Born  (1919),  S.  29  wurden  die  Koksofengase
  bereits  seit  1863  zur  Kesselheizung  genutzt.
4  Vgl.  ausführlich  Tille  (1906),  S.  44  f.;  Fünfviertel  (ahrhundert  (1935),  S.  37  £;  auch
Martin  (1937),  S.  145  und  Gillenberg  (1989),  S.  27;  Banken  (2003),  S.  245
48  ygi  Mengelberg  (1904),  S.  111;  Simmersbach  (1905),  S.  1351
49  Ygj_  Krause-Wichmann  (1924),  S.  52

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