Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

kompetenzen  an  sich  und  schwächen  umgekehrt  den  Gestaltungsspielraum
  der  Kommunen.
In  der  folgenden  Untersuchung  sollen  deshalb  vor  allem  die  politischen
und  wirtschaftlichen  Faktoren  näher  analysiert  werden,  die  zur  Herausbildung
  der  einzelnen  Versorgungsebenen  führten,  diese  in  ihrem  weiteren
  Verlauf  prägten  und  schließlich  entscheidende  Umbrüche  auslösten.
  Die  Erfahrungen  auch  aus  anderen  Bereichen  zeigen,  dass  solche
  Umbrüche  i.d.R.  aus  dem  Zusammenwirken  unterschiedlicher,
meist  (kommunal)politischer,  wirtschaftlicher  und  technischer  Faktoren
resultieren.  Die  Ablösung  der  Versorgungsstufen  erfolgt  jedoch  keineswegs
  abrupt,  diese  gehen  vielmehr  ineinander  über  und  variieren
auch  unter  räumlichen  Gesichtspunkten.
Ähnlich  wie  die  Elektrizitätswirtschaft  unterlag  auch  die  Gasversorgung
-  bedingt  durch  die  Doppelrolle  der  Energieträger  als  Lebens  Stoff  und
Wirtschaftsgut  -  immer  dem  Kräftemessen  öffentlicher  und  privatwirtschaftlicher
  Interessen.  Unter  der  Voraussetzung,  dass  privatwirtschaftliches
  Handeln  primär  der  Gewinnerzielung  dient,  die  öffentlichen  Belange
  dagegen  stärker  von  kommunalwirtschaftlichen  und  sozialpolitischen
  Interessen  bestimmt  sind,  bietet  die  Gasversorgung  eine  Reihe
potenzieller  Konfliktpunkte,  die  entweder  von  vornherein  durch  vertragliche
  oder  finanzielle  Regelungen  unterbunden  oder  zumindest  eingegrenzt
  werden  konnten,  oder  aber  Anlass  zu  Dauerkonflikten,
Schiedsgerichtsverfahren,  Prozessen,  Erpressungsmanövern  und  nachträglichen
  Vertragsrevisionen  gaben.  Ein  Ziel  der  Untersuchung  besteht
deshalb  darin,  die  spezifischen  Interessen  der  -  auch  politischen  -  Akteure
  darzulegen  und  zu  klären,  inwieweit  insbesondere  privatwirtschaftliche
  Interessen  und  öffentliche  Belange  in  Ubereinklang  zu  bringen
  waren.  Zugleich  sollen  die  Konfliktpunkte  zwischen  den  einzelnen
Beteiligten  verdeutlicht  und  die  Formen  der  Konfliktregulierung  benannt
  werden.
Eine  Form,  Konflikte  zwischen  den  beteiligten  Interessengruppen  von
Anfang  an  zu  begrenzen,  bildeten  vertragliche  Regelungen.  Als  Beleuchtungs-,
  Konzessions-,  Liefer-  und  Bezugs-,  Betriebsführungs-  oder
Pachtverträge  durchziehen  sie  die  Entwicklung  der  Gasversorgung  wie
einen  roten  Faden.  Verträge  gleich  jedweder  Art  sind  somit  der  Versuch,
  dem  Energieträger  Gas  in  seiner  Doppelrolle  als  Lebenselement,
auf  das  möglichst  alle  Einwohner  eines  Gemeinwesens  zu  günstigen
Bedingungen  Zugriff  haben  sollen,  und  als  Produkt,  das  mit  dem  Ziel

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