Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

bikmeter  pro  Tonne  Kohle.12 17  Beim  Neubau  einer  Koksanlage  von  60
Ofen  betrug  die  Uberschussgasmenge  somit  ca.  sieben  Mio.  Kubikmeter.
  Im  Zuge  der  Verbreitung  des  Gasmotors  in  den  80er  und  90-er
Jahren  standen  jetzt  zwei  Alternativen  der  Verwendung  des  Uberschussgases
  offen.  Entsprechende  Untersuchungen  des  Bergrats  von
Horten  ergaben,  dass  sich  der  Einsatz  der  Gase  in  entsprechenden
Motoren  zur  direkten  Stromerzeugung  als  effizienter  erwies  gegenüber
dem  Umweg,  Strom  über  die  Dampferzeugung  zu  gewinnen:  "Während
man  früher  aus  100  cbm  Gas  wie  angegeben  etwa  640  kg  Dampf  von  mittlerer
Spannung  erhielt,  woraus  sich  unter  den  in  Heinit^  vorliegenden  Verhältnissen  bei
9  kg  Dampf  verbrauch  pro  effektive  PS-Stunde  ca  70  PS-Stunden  erzielen  lassen,
ergiebt  die  gleiche  Menge  Gas,  den  Koksgasverbrauch  eines  grossen  Gasmotors  pro
effektive  PS-Stunde  sehr  reichlich  %u  ca  0,7  cbm  gerechnet,  etwa  140  PS-Stunden,
also  genau  doppelt  so  viel  wie  bei  dem  alten  Verfahren  u.18
Von  Horten  berief  sich  hierbei  auf  Erfahrungen  in  Wishaw  (Schottland),
  Seraing  (Belgien)  und  beim  Hörder  Bergwerks-  und  Hütten-Verein
  in  Dortmund,  die  1895  erstmals  Gichtgasmotoren  zur  Stromerzeugung
  einsetzten.19
Seit  der  Jahrhundertwende  konnte  das  anfallende  Koksgas  in  Heinitz
drei  Verwendungszwecken  dienen:  An  die  Stelle  der  bestehenden  Beleuchtung
  mittels  Steinkohlengas  der  Grubengasanstalt  trat  eine  Beleuchtung
  mittels  Koksgas.  Die  Herstellungskosten  des  Koksgases  beliefen
  sich  nur  auf  etwa  drei  Pfg.  pro  Kubikmeter,  sodass  bei  einem
möglichen  Jahresverbrauch  von  400.000  Kubikmeter  die  Ersparnis  gegenüber
  der  herkömmlichen  Gasbeleuchtung  etwa  12.000  Mark  jährlich
ausmachte.20  Nach  dem  Abschluss  der  entsprechenden  Umstellungsarbeiten
  stellte  die  alte  Heinitzer  Gasanstalt  am  1.  Mai  1905  den  Betrieb
ein.21  Als  zweiter  Verwendungszweck  sollte  ein  Teil  des  Koksgases  weiterhin
  zur  Dampferzeugung  eingesetzt  werden,  das  verschiedene  Maschinen
  der  Kokerei,  aber  auch  andere  Betriebszweige  des  Bergwerks
versorgte.  Als  wichtigste  Verwendungsart  des  Koksgases  kristallisierte
12  LA  Sbr.  Rep.  564/532:  bei  den  Koksöfen  mit  Rekupatoren  tauschten  Abhitze  und
Verbrennungsluft  die  Wärme  über  durch  dünne  Zwischenwände  getrennte  Kanalsysteme
  aus;  deshalb  wurde  die  zur  Vorwärmung  notwendige  Koksgasmenge  vermindert
und  die  Gasüberschüsse  erhöht.
BMF,  30.  Jg.  (1900),  Nr.  71:  Die  Verwendung  der  Hoch-  und  Koksofengase  zur
Erzeugung  elektrischer  Energie;  Simmersbach  (1905),  S.  1351  gibt  das  Verhältnis  zwischen
  der  direkten  und  indirekten  Krafterzeugung  sogar  auf  200  bis  250  PS-Stunden
gegenüber  90  bis  100  PS-Stunden  an.
19  LA  Sbr.  Rep.  564/532:  allein  in  Deutschland  schätzte  Lührmann  die  aus  Hochofen-
  und  Koksofengas  zu  gewinnende  Leistung  auf  500.000  PS.
2*1  Vgl.  auch  Mengelberg  (1904),  S.  119
21 LA  Sbr.  Rep.  564/147:  Entwicklungsgeschichte  der  Grube  Heinitz

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