Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

erzeugung  eingesetzt  werden.  Zudem  führte  die  verstärkte  Nachfrage
nach  Teer,  Ammoniak  und  später  Benzol  zur  systematischen  Gewinnung
  der  Nebenprodukte.8 9  Es  setzten  sich  schließlich  auch  im  Saarrevier
  zwei  Gruppen  von  Koksöfen  durch:  Flammöfen  wie  beispielsweise
die  nach  ihrem  Erfinder  benannten  Francois-Öfen  dienten  lediglich  der
Herstellung  von  Koks  ohne  Gewinnung  von  Nebenprodukten.  Die
beim  Verkokungsprozess  entstehenden  Rauchgase  nutzte  man  teilweise
nach  ihrer  Verbrennung  zur  Vorwärmung  der  Heizräume,  teilweise  zur
Beheizung  von  Abhitze-  und  Dampfkesseln.g  Demgegenüber  bezweckten
  die  Destillations-  oder  Nebenproduktenöfen  die  Gewinnung  von
Nebenprodukten.  Die  im  Ofeninnern  entstehenden  Gase  kamen  im
Gegensatz  zu  den  Flammöfen  nicht  wieder  sofort  zur  Verbrennung,
sondern  wurden  abgesaugt  und  von  ihren  wichtigsten  Nebenprodukten
wie  Teer  und  Ammoniak  befreit.
Nicht  zuletzt  auch  unter  technischen  und  wirtschaftlichen  Gesichtspunkten
  lag  es  nahe,  die  Rauchgase  der  Koksöfen  in  Dampfkesseln  zu
nutzen.  Da  die  Gase  bei  ihrem  Austritt  aus  den  Öfen  eine  Temperatur
von  mindestens  900  Grad  Celsius  besaßen,  reichte  die  Wärmeenergie
aus,  um  pro  Quadratmeter  Heizfläche  bis  zu  13  Liter  Wasser  pro
Stunde  zu  verdampfen.  Die  Nutzung  der  Abhitze  einer  Ofenbatterie
von  60  Öfen  sparte  somit  bis  zu  10.000  Tonnen  Kohlen  jährlich  ein.10
1881  diente  erstmals  die  Wärme  der  aus  73  Flamme)fen  entweichenden
Rauchgase  auf  der  Grube  Heinitz  dazu,  neun  Rohrkessel  zu  beheizen,
die  Dampf  für  den  Betrieb  der  Kohlenwäsche,  der  Luftkompressoren
und  einer  Sägemühle  lieferten.  Die  so  erzielte  Brennstoffersparnis  betrug
  1881  täglich  300  Mark.  1896  errichtete  die  dortige  Berginspektion
eine  weitere  Kesselanlage  mit  drei  Dampfkesseln  von  je  100  qm
Heizfläche.11  Diese  lieferte  Dampf  für  den  Betrieb  eines  Ventilators  für
die  Bewetterung.  Ein  Teil  der  Abhitze  versorgte  die  Retorten  der  benachbarten
  Grubengasanstalt  mit  Heizenergie.12  Der  andere  Teil  des
Dampfes  wurde  in  Strom  zum  Betreiben  eines  Pumpwerks  und  zur  Erzeugung
  elektrischen  Lichts  umgewandelt.
Parallel  mit  der  Nutzung  der  Abwärme  setzte  auch  die  systematische
Gewinnung  der  Nebenprodukte  auf  der  Kokerei  Heinitz  ein.  Es  stellte
sich  zunehmend  als  unwirtschaftlich  heraus,  die  verschiedenen  Neben¬8

  Vgl.  Schönau  (1993),  S.  12  ff.
9  Bulgis  (1907),  S.  553
10  Vgl.  Bulgis  (1907),  S.  569
*  ^  LA  Sbr.  Rep.  564/147:  Entwicklungsgeschichte  der  Grube  Heinitz;  Benken  (2003),
S.  245  f.
12 Vgl.  Müller  (1897),  S.  72

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