Schaft (GBG) in Bous Kontakt auf. Er bat um eine Kostenaufstellung
für Gasiieferungen aus einer neu zu errichtenden Hochdruckleitung
von Saarlouis aus. Dort hatte die GBG im jahre 1911 die Versorgung
übernommen. Die GBG bot das Gas für acht bis neun Pfg. an, falls die
Stadt die Verteilung selbst übernehmen sollte, oder für 13,5 Pfg. pro
Kubikmeter, falls die Belieferung direkt von der GBG erfolgen sollte.298
Die Verwaltung versuchte jedoch weitere Preisnachlässe zu erzielen, zu
welchen die GBG kein Einlenken signalisierte. Nach Rücksprache mit
der Berliner Zentrale sagte die GBG die mögliche Kooperation ab, da
"wenig Geneigtheit besteht, neue Kapitalien festen legen und das Rühmet^ auf unsere
Rechnung gu übernehmen".299
Da sich diese mögliche Alternative somit zerschlagen hatte, stimmte der
Stadtrat dem Vertrag mit der Aktiengesellschaft für Gas und Electricität
am 30. März 1914 zu.300 Gegenüber dem alten Vertrag von 1885
brachte die neue Regelung folgende Verbesserungen: Der Preis betrug
13 Pfg. beziehungsweise zwei Pfg. pro Brennstunde für die Straßenlaternen;
die Stadt partizipierte mit zehn bis 20 Prozent am Gewinn; sie
besaß das Recht, Elektrizität zu erzeugen und zu verteilen; zudem
konnte sie den Vertrag schon nach 20 Jahren kündigen.301
Nachdem sich nach dem Ersten Weltkrieg die finanzielle Situation des
Merziger Gaswerks infolge hoher Kostensteigerungen für Kohlen,
Frachten und Löhnen verschlechterte, und allein im Geschäftsjahr 1921
ein Defizit von etwa 200.000 Mark entstand, sah sich die Gesellschaft
nicht mehr in der Lage, einen Gewinn an die Stadt auszuschütten.302 303 Sie
bot der Stadt deshalb das Werk im April 1922 erstmals zum Kauf an.
Der Stadtrat lehnte das Angebot jedoch ab, da die Stadt das erforderliche
Kapital nicht aufbringen konnte. Die Aktiengesellschaft stellte
ihrerseits die weitere Zusammenarbeit in Frage, "denn unser Zentralbüro
lehnt es ab, weiterhin unseren Betrieb mit Millionenzuschüssen, die noch nicht
einmal von anderen Werken, sondern teilweise durch Erhöhung des Aktienkapitals
der Gesellschaft aufgebracht werden müssen, gu unterstützen'303 Sie forderte,
den Preis für Gas und Gasmesser in Francs festzusetzen. Der Stadtrat
298 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 683: Schreiben der GBG vom 16.2.1914
299 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 683: GBG an Bürgermeisteramt vom 27.2.1914
300 Stadt Merzig: Stadtratssitzung vom 30.3.1914
301 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 667: Vertrag vom 23.4.1914; Merziger Ztg. vom
4.2.1914
302 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 684: Gesellschaft an Bürgermeister vom 27.7.1922
303 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 684: Aktiengesellschaft an Bürgermeister vom
5.12.1922
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