Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Kaufsumme  sollte  sich  auf  900.000  Mark  belaufen.291  ln  den  folgenden
Monaten  ruhten  die  Verhandlungen,  weil  die  Möglichkeit  bestand,  die
Stadt  Merzig  mit  Elektrizität  aus  einem  Kreiselektrizitätswerk  -  in  der
Planung  war  ein  Wasserkraftwerk  -  zu  versorgen.292  Der  Kriegsbeginn
vereitelte  jedoch  diese  Pläne,  sodass  sich  die  Stadt  mit  der  Gesellschaft
einigen  musste.  Die  Chancen  für  eine  Verständigung  verbesserten  sich
auch  dadurch,  dass  das  Unternehmen  die  Gründung  einer  gemeinsamen
  Gesellschaft  zum  Zwecke  der  Versorgung  der  Stadt  Merzig  mit
Gas  und  Elektrizität  vorschlug,  in  welche  sie  das  Gaswerk  mit  450.000
Mark  einbringen  wollte.293  Die  Stadt  solle  ihrerseits  so  viel  Kapital
aufwenden,  wie  für  den  Aufbau  der  Elektrizitätsversorgung  erforderlich
sei.  Gleichzeitig  stellte  sich  heraus,  dass  die  Verhandlungsmacht  der
Aktiengesellschaft  laut  Informationen  des  Landrats  schwankte:  "Die  finanzielle
  Situation  der  Cölner  Gesellschaft  ist,  soviel  ich  hörte,  nicht  allzu  glänzend.
Einer  ihrer  wenigen  guten  Unternehmungen  stellte  das  Merfiger  Gaswerk  dar.  Die
sieht  sie  jetzt  durch  die  in  Angriff  genommene  Elektrizitätsversorgung  des  Kreises
mehr  und  mehr  in  seiner  Existenz  bedroht  und  muß  befürchten  in  einigen  Jahren
mit  dem  Ablauf  des  Vertrages  einen  vielleicht  vernichtenden  Schlag  zu  erhalten.  Sie
versucht  deshalb  zu  retten  was  zu  retten  ist  “.294
Im  November  1913  einigten  sich  beide  Parteien  auf  Grundzüge  einer
zukünftigen  Zusammenarbeit.  Danach  erklärte  sich  die  Gesellschaft  bereit,
  vorzeitig  ihr  Monopol  für  die  Gas-  und  Elektrizitätsversorgung
aufzugeben,  den  Gaspreis  für  alle  Verwendungszwecke  auf  14  Pfg.  herabzusetzen
  und  die  Stadt  an  der  verkauften  Gasmenge  prozentual  zu
beteiligen.295  Der  Stadtrat  zeigte  sich  aber  mit  dem  in  Aussicht  gestellten
  Gaspreis  nicht  zufrieden  und  forderte  einen  Einheitspreis  von
zwölf  Pfg.  pro  Kubikmeter  und  eine  Ermäßigung  der  Gasmessermiete
um  50  Prozent.296  Auch  der  Verein  für  Handel  und  Gewerbe  mahnte
an,  nur  dann  auf  einen  neuen  Vertrag  einzugehen,  falls  die  Gesellschaft
einen  Einheitspreis  von  12  Pfg.  gewähre.297
Parallel  zu  den  Verhandlungen  mit  der  Kölner  Gesellschaft  nahm  der
Bürgermeister  Thiel  im  Februar  1914  mit  der  Gasanstalt-Betriebsgesell-291

  LA  Sbr.  Dep.  Stadt  Merzig  683:  Schreiben  vom  27.2.  und  27.3.1912
292  Vgl.  Herzig  (1987),  S.  104,140
293  LA  Sbr.  Dep.  Stadt  Merzig  683:  Schreiben  vom  8.7.1913
294  LA  Sbr.  Dep.  Stadt  Merzig  686:  Landrat  an  Bürgermeister  vom  21.7.1913
295  LA  Sbr.  Dep.  Stadt  Merzig  686:  Grundzüge  vom  25.11.1913
296  Stadt  Merzig:  Stadtratssitzung  vom  29.1.1914;  Merziger  Volksztg.  vom  30.1,1914:
Stadtverordnetensitzung  am  29.  Januar
297  Merziger  Volksztg.  vom  12.2.1914

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