angesichts dieser neuen Entwicklung um ein lukratives Geschäft geprellt
sah, besserte auch sie ihr ursprüngliches Angebot nach. Sie garantierte
ohne Rücksicht auf den Verbrauch nicht nur eine jährliche
Verzinsung und Amortisation, sondern verpflichtete sich auch, den
späteren Reingewinn zur Hälfte an die Stadt abzuführen.288 Auch sollten
die Baukosten nur noch bei 110.000 Mark liegen. Der Stadtrat beschloss
deshalb am 5. |uni 1908 die Errichtung eines städtischen Gaswerks
und die Übernahme des Betriebs durch die Stadt, ln einer neuerlichen
Bürgerversammlung am 26. juni 1908 stimmten die 133 Anwesenden
einstimmig der Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 110.000
Mark zu.289
Der Bau des Gaswerks begann Mitte Februar 1909, der noch bestehende
Vertrag mit den Besitzern des Schuldschen Gaswerks wurde zum
1. Juli 1909 gekündigt und das alte Gaswerk daraufhin stillgelegt. Am 3.
Juni 1909 ging das Werk in Betrieb. Anfangs erhielt nur die Heil- und
Pflegeanstalt Gas, da in der Stadt noch keine Hausanschlüsse hergestellt
waren.2911
Die vierte Form der (Re-)Kommunalisierung blieb in der Saarregion auf
die Stadt Mer^ig beschränkt. Sie lief darauf hinaus, dass die Kommunen
zwar versuchten, das Gaswerk zu kommunalisieren, aufgrund
rechtlicher oder finanzieller Faktoren jedoch lediglich die Eigentumsformen
geändert und die Gemeinde Miteigentümer des Gaswerks
wurde. Solche gemischtwirtschaftliche Unternehmen verbesserten die
Position der Kommunen gegenüber der Privatgesellschaft, da sie nun
über eigene Vertreter in den Entscheidungsgremien verfügten.
Merzig versuchte seit 1911 das Gaswerk zu kommunalisieren. Dem
standen jedoch neben dem bis 1918 laufenden Konzessionsvertrag verschiedene
Klauseln entgegen, wonach die Aktiengesellschaft für Gas
und Elektrizität ein ewiges Versorgungsmonopol besaß. Ein zweites
kommunales Gaswerk neben dem bestehenden hätte aber finanziell nur
wenig Sinn gemacht. Obwohl der Generaldirektor Ritter einen Verkauf
kategorisch ablehnte, wollte er andererseits den Willen zu einer weiteren
Zusammenarbeit auch nach Ablauf des Beleuchtungsvertrages im
Jahre 1918 hinaus demonstrieren und schlug deshalb Anfang 1912 von
sich aus die Gründung einer Interessengemeinschaft vor: Verkauf des
Werkes an die Stadt und Verpachtung an die Aktiengesellschaft. Die
288 Homburger Ztg. vom 14.3.1908
289 Homburger Ztg. vom 27.6.1908; Gesundheit, 33. Jg. (1908), Nr. 15, S. 490
290 Homburger Ztg. vom 3.6.1909
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